Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

und über Obligationen überhaupt. 13
Im Vorübergehen wollen wir Folgendes anführen. Das
Bild des französischen RcchtS har für unser Leben eine große
Bedeutung, cö ist eine Probe für den wahren civilistischen
Sinn. Einmal ist dieses Recht im Umschwünge großer po-
litischer und intellektueller Verhältnisse entstanden, von prac-
tischen Männern im juristischen Geiste verfaßt, mehr im
gesunden Takte, als mit einer erfahrnen Theorie geschrieben,
wie alles Mcnschenwcrk, was kommenden Generationen dienen
soll, unvollendet, oft seicht und nicht wissenschaftlich groß,
artig; aber dem Leben zugcwendet, abgeschlossen, römisch
rationell, wenn auch in vielen Dingen dem germanischen
Typus anhängcnd also in der Form dem Verstand in der
Sache deutschen Gewohnheiten folgend — eine Arbeit, viel
Lob, viel Tadel enthaltend. Aber die Lebendigkeit dieses neu.
eren Rechlö intcrreffirt uns, und dient wunderbar dem jun-
gen Juristen zur Philosophie des RechtS. Von 1t>0 Lehren
des römischen Rechts sind 10 vergessen, der eine Tbcil. weil
man sich anderS half z. B- statt dcS iuterdicti de arbori-
bus caedendis mit der Negatorienklage, der andere Theil, weil
man mit Unrecht einen zu abstraeten allgemeinen Satz an.
nahm wie z. B. bei der Entschädigung *) aus einem Ver-
sehen ». s. w.
Aber die jungen Juristen lernen, warum Manches deS
alten römischen Prozesses, der einzelnen Art seiner Entwicke-
lung nicht mehr auf unS paßt: sie lernen dag römische Recht
praktisch,und damit von selbst auch historisch verstehen. ES
ist sehr wünschenSwerlh, die römische RechtSgeschichte nach
Cicero oder nach Gajuö darzustcllcn; aber eine solche
RechtSgeschichte wird — ledern sein und bleiben, wenn sie
nicht den rechten Standpunkt hat in der allgemeinen rechtS-
historischer. Entwickelung für unsre Tage, in dem Gegensätze
dcS Abgestorbenen und des Lebenden.
So sehr v. Savigny in seinem Pandectenhandbuche
Rücksicht nimmt auf die modernen Gesetzgebungen nach ein-
zelnen Lehren im Allgemeinen; um so mehr ist zu wünschen,
daß zugleich an einem in lebendiger Wirksamkeit stehendem
Gesetzbuche im Ganzen der praktische Standpunkt unserS

si) Siche den Cod. von Vergehen und Versehen Art. 1382. ff.

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