Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

12 Heber das römische und über das neuere System der Verträge
begründet, wo Versprechen und Gegenvcrsprechen, wie Lei-
stung und Gegenleistung offenbar nothwcndig sind.
Ein Vertrag unter Bedingungen ist ein zweiseitiger,
wenn ausserdem schon die Nolhwendigkeit einer doppelten
Leistung vorliegt: sonst begründet die Bedingung keine Ver-
bindlichkeit, sondern nur etwas, was auf die Perfektion deS
Vertrags Beziehung hat, was dasselbe auch bei den zwei-
seitigen Verträgen ist, so, daß Bedingungen nie über die
Natur der Verträge entscheiden.
Freilich ist genau zu untersuchen, ob wirklich eine Be-
dingung vorhanden ist, denn cü gibt Geschäfte, welche ei-
uen gewissen Namen tragen, aber doch in der Absicht der
Parteien eine andre Richtung bieten, z. B. ein Kaufmann
wird Bürge für einen andern, wenn der Gläubiger jeden
Monat ihm den saldo vorlegt. Hier müßte die Sache als
ausdrückliche Bedingung hcrvorgehoben seyn; denn ausserdem
ist eS eine Gegenleistung, und sollte der Gläubiger einmal
die Vorlage nicht gemacht haben, so ist der Vertrag nicht
gelößt. Könnte man freilich diesen Vertrag unter die zw e i-
sei tigcn bringen, und bestünde hier, wie im jure galiico
die Ansicht der Resolutivbedingung gesetzlich, so wäre die
Sache anders.
III. Sehr gut ist es, von der Natur zweiseitiger
Verträge nichts abhängig zu machen, sondern die Lehre
höchstens als Princip der Lehrbücher zu behandeln. Die
Franzosen sind bekanntlich auch hier zu weil gegangen , und
eS wird jetzt darauf ankommen, die falschen Richtungen in
den Erfordernissen und Wirkungen anzuzeigen.
§. 10
Zweiscitigkeit der Verträge bei den Franzosen.
Der Fortgang der Franzosen dahin
daß ein zweiseitiger Vertrag nur durch einen schrift-
lichen Contract, welcher für beide Thcile ausgefertigt sei,
bewiesen werden könne,
b) baß er ein pactum resolutivum stillschweigend in
sich trage,
ist nicht in Folge einer revolutionellen Umstellung der
Dinge, sondern unmittelbar aus der Geschichte deS franzö-
sischen Rechtst selbst hervorgegangen.

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