Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

148 I. lieber den Zustand des franz. Rechts re.
wird eS möglich sein > nicht nur seine Geschäfte richtig ein-
znrichren, sondern auch richtig zu beurtheilen- Ebcndcßhalb
ist da» gründliche Studium deS römischen Rechtst auch in
Frankreich so nölhig. Abgesehen aber von dieser negativen
Richtung ist auch an der positiven Seite Dielest zu tadeln,
z. B- die Lehre vom error — der Begriff dolus ist nicht
recht aufgcsaßt und praktisch unbrauchbar: endlich wenn
man in die eigentliche Jurisprudenz steht, wie hinfällig
stnd die Auslegungsregeln von Pot hier über Verträge, da
wo die Römer so unendlich einfach waren indem sie Al-
les gegen den Proponenten richten und zwar den juristischen
Proponenten, wie gegen de» Verkäufer, Vermielher, nur
mit Rücksichten auf den faktischen Proponenten in paciis
adjectis.
In der Lehre von den Delikten und von der loi als Ent-
stehungstgrund der obligatio ist Pothier sehr unbefriedigend,
wenn auch die Beispiele die er in lctztrer Hinsicht gebraucht
z. B- mit Hinweisung auf eine loi municipal oder gar auf
den Grundsatz no» aequum esse mm alterius damno lo-
cupletari faßlich, aber »ichtst weniger alst richtig stnd!
Der Hanpttheil der Arbeit über die Obligationen ist
die zweite Sectio, d. h. die Lehre von den verschiedenen Ar-
ten der Obligationen. ES werden hier willkührlich zwölf Ein-
theilungen gemacht, und wichtig ist folgendes:
1) über natürliche und Civilobligakionen kömmt gar
Nichts befriedigendes vor: Potliier consulkirke keineswegs
die älteren Romanisten und Molinaeus ließ diesen Punkt
als unpraktisch liegen. Der große Praktiker hatte Recht;
aber er übersah die Frage wo eine obligatio in eine Klage
übergeht, und wo diese nicht statifindek. 4)
2) Die Einihcilung in unbedingte und bedingte Obli-
gationen ist deßhalb falsch gegriffen, weil man jeden zwei-

4) Dies ist eine Hauptfrage für die ganze neuere RechtSgelehrt-
beit. Gibt cs natüriiche Pflichten überhaupt: oder gibt cS
jetzt nur gesetzliche Pflichten, denen gegenübcrsteht die ledig-
lich dem Gewissen überlassene Moralität. Die Sache müßte
erst aus dem Standpunkte der Strafbarkeit durchgcfochten
werden d. h. ob Jmmoealikiiten nicht bürgerlich strafbar seyen,
denn so, wie wir, konnten die Römer nicht denken (booeste vive).

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