Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

11. Geschichte deS 6°ste. 14-
und war das Erstlingsbuch der jungen französischen Juristen
vor dem Code. *) ES ist freilich so leicht nicht zu verstehen
z. B- richtig desinirt Pothier den klagbaren Vertrag uns-
rer Zeit in den Worten: j'ai dit „promettent et s’engagent“,
allein es ist dies von ihm selbst nicht verstanden, denn er
hätte sagen mäßen, da bei unS die promesse an sich nicht
kvic bei den Römern in der stipulatio verbindlich macht,
sondern nur der mit einer materiellen eausa sich verpstich-
tende Wille, so ist dies eben die gegenseitige Annahme deS
GebundenseinS, wonach der Gläubiger annehmen, und der
Schuldner das Interesse prästtren muß, iveßhalb man auch
mit Recht sagt, daS Versprechen daS Interesse zu prä.
stiren, wenn eS angenommen wird, sei der Concraet.
Die Convention selbst ist bloS die Uebereinkunft an sich —
etwas Moralisches: aber die angenommene Erklärung des
Interesses dies ist der Contract bei den Franzosen und bei
unS. DieS ist der Schliißel zu der cause, die auch Po.
thier nicht richtig und nicht klar daestellt.3)
Hier und durchaus also auch in diesem besten Werke
von Pothier zeigt sich, daß es ohne gründlicheKenntniß deS
römischen RechlS nicht zu beurtheilcn ist, und nicht nur
der eben angeregte Punkt, sondern alle Hauptlebren deS
französischen Qbligationenrcchts werden eine ganz andre Hal.
tung bekommen, wenn der bessere Sinn deS römischen RechtS
darunter gebracht wird. Wenig haben Toullier und Da-
ran ton geleistet eben weil sie lediglich auf Dotliier zurück-
sehen, nicht einmal den lieferen Nolinaeus berücksichtigen
und weil sie ein Hauptmoment vernachläßigcn, aus der Ge.
schichte deS römischen RechlS seine Bedeutung zu begreifen.
ES wird Nichts thun, wenn manche Ansicht deS französischen
Rechts falsch erscheint, wie z. B. bei den untheilbaren Ob-
ligatione», Correalverbindlichkeiten o. s. w- soferne man
uur den richtigen Standpunkt der Sache erkennt, denn so

2) Lern»rät in der Vorrede zu seiner Ausgabe.
6) Unter den synallagmatischen Verträgen verstehen die Franzo-
sen in der Tbat die gegenseitige Verpflichtung, die nicht ge-
rade auf eine Zweiseitigkeit binauSfiihrt, als vielmehr auf
das Interesse. Selbst im Völkerrechte wenden sie dieses an,
wie z. B. in einem Vertrage der fünf Mächte wegen Aegypten«
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