Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

Allgemeine Einleitung. 139
ben- oder doch allgemein und flach räsonnirende Juris-
prudenz.
Im wissenschaftlichen Sinne darüber wegzugehen, er-
fordert noch eine große Zeit wissenschaftlicher Vorbereitung
mehr, und eS ist viel leichter, einen guten Kenner dcS römi-
schen Rechts, alS einen guten Kenner nicht nur dcö badischen
Landrechis alö aller seiner Desiderien zu finden. Freilich
hilft beides im tüchtigen Manne zusammen, denn nicht ge-
nug können wir schätzen, was ein lebendiges Recht für eine
Erregtheit in der Auffassung und Bildung deS alten RcchtS
gibt, sowie alle unsre Bildung nur eine Folge der Einficht
dieses Gegensatzes wird. Und kein Recht ist zur Kennt-
niß der Gegenwart wichtiger, wie das franzöfische.
Kommen wir so zu dem französischen Rechte zurück, so
ist unbestritten:
1) daß die genaue Kenntniß dcS römischen RechtS auch
in Frankreich die Grundlage der juristischen Bildung ist,
2) daß eine beßerc Einleitung der französischen RechtS-
geschjchte voraus gehen sollte,
3) daß man im Obligationcnrechte offenbar daS römische
Recht alS subsidiäre Grundlage annehmcn und darauf hin
interpreliren sollte,
4) daß man im EigenthumSrechte den Gegensatz denk-
fchcr und römischer Principien wohl fassen sollte,
5) daß man die ganze Fortbildung dcS RechtS im Geiste
der rationellen Entwickelung deS römischen RechtS auffassen,
und schon in dieser Richtung überall auf dasselbe achten
sollte:
so, daß auS allen diesen Betrachtungen daS Resultat
kömmt: mit der Ansicht deS römischen Rechts alS raison
ecrite ist nichts zu machen, sondern nur in der eben hier
gegebenen wahren Bedeutung desselben. —
Betrachten wir nun die schriftstellerische Richtung der
Franzosen und ihrer Praxis dazu, so siebt man
1) bald, daß man auch in Frankreich unsre Ansicht jetzt
rdeilt z. B. bei Tonllier >3), Troplong- weniger bei

13) Obgleich dieser eigentlich mehr construirend und analytisch
wie wissenschaftlich verfährt.

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