Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

6 lieber das römische und über daS neuere System der Verträge
GefchäftSherr, der CommunionStheilnehmer habe etwas ge-
wollt; bei den Rcalcontraclen aber wird der Vertrag als
wirklich angenommen: dort etwas abgeleitet, hier etwas
in der Thal gefunden. Aus der Natur der Realcontracte
geht hervor, daß sie einen allgemeinen Grundsatz, die
actio praescriptis verbis darbieten, daß sie ein System
der Verträge für sich sind. Bei den quasicontractus aber
sieht man nur besondere Ausnahmen und Vorstellungen, ein
Aushilfsverhältniß der Billigkeit. Bei den Realcontraclen
ist der Gedanke logisches Princip: bei den Quasicontractcn
hervorgesuchte Billigkeit.
Aber die römischen Realeontraete fassen im Grunde auch
mehr in sich, als den strengen Begriff deS Vertrags z. B.
bei dem Geschenke sub modo, wo dadurch gleichsam ein
zweiseitiger Act wird, bei dem precario, waS als ein blo.
seS factum, doch mit der actio praescriptis verbis ver-
folgt werden kann, unberechnet jene Fälle, wo man die con-
dictio aus dem älteren Prozesse der Römer anstellen kann.
Das Wort „Vertrag" an sich ist sehr mehrdeutig - so
rechnen Einige die Ehe zum Vertrag, die doch kein Vertrag
ist, weil sie als LebenSverbindung, als Hingabe der Persönlich-
keit insoweit erscheint, daß man auch diese wenigstens faktisch
opfert; so nimmt man oft, wo eine obligatio im Allgemeinen
vorliegt oder gar auch ein auf freier Willkür begründetes
dingliches Recht besteht den Ausdruck Vertrag, der folglich
hier in einer sehr weiten Bedeutung vorkömmt.
II. Man thut sehr Unrecht, die Real- und Consensual-
eontraete aneinanderzustellen z. B. wie Liebe getban hat,
nämlich alö materielle Verträge, denn in der Thal sind nur
die Verbal- und Realverträge, einander entgegengesetzt und
diese sind die beiden Richtungen der Entwickelung deS Con-
traetSsystemS. Die ConsensualeontraetuS aber sind nur Aus-
nahmen in Beziehung auf die Verbal- und wenn man will
auch auf die Realform; denn daß solo consensu ein Ge-
schäft rechtsverbindlich wird, ist in eben dem Grade dem
Verbal- als dem Realprineipe zuwider.
Wohl kann man sagen: die Real- und Consensualeon-
traetuS enthielten die materiellen Verträge, aber dann muß

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