Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

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Sind Rechte nach den Begriffen der Römer

schon begründet nachzuweisen/ fehlt es bis jetzt noch gänz-
lich/ obgleich ihre Nothwendigkeit aus allgemeinen Rechts-
begriffen theils ausdrücklich/ wie von Mühlenbruch S.21.
a. a. O. als etwas Unzweifelhaftes versichert/ theils still-
schweigend in dogmatischen Darstellungen vorausgesetzt wird.
Burchardi (Grundzüge des Rechtssyftems der Römer. S.
18/ 21 u. folg.) geht sogar so weit/ eben diese Veräußer-
lichkeit zum Hauptunterscheidungsmerkmal von Jus Publicum
und Privatum der Römer zu erheben/ und die Anordnung
des Rechtssystems derselben darauf zu gründen.
Was nun die hier vorausgesetzte Unentbehrlichkeit der
Annahme eines Rechtsüberganges betrifft/ so müßte dieselbe
ihren nächsten Grund in dem Begriff von Rechten finden,
allein dieser läßt sich nur dahin angeben, daß wir uns dar-
unter die besonderen Bestimmungen zu denken habe«/ deren
-er Zustand eines Menschen, juristisch betrachtet/ fähig ist,
und welche es möglich machen, "sein Handeln in Beziehung
auf andere zu beurtheilen. Hiernach ist das Recht aber
etwas wesentlich Eigenschaftliches. Es ist nur vorhan-
den/ so weit eine Person vorhanden ist, welcher es zuge-
schrieben wird. Die Wissenschaft ist allerdings genöthigt,
für die Entwickelung ihrer Sätze die einzelnen Rechtsver-
hältnisse als abstracte zu behandeln/ also z. B. von ServiruS,
von Ususfructus u. s. w. zu reden, während es in der Wirk-
lichkeit nur einen Usufructuar, ein Prädium servienS und
dominans gibt. Indeß es ist darum noch keineswegs noth-
wendig, daß nun auch jene Abstraktion biS zur Anwendung
durchgeführt, und dasjenige, was für theoretisches Bedürfniß
abgesondert betrachtet wird, auch in der Wirklichkeit als für
sich und unabhängig bestehend anerkannt werde. Ein solches
Trennen des Begriffs von der Wirklichkeit des concreten
Erscheinens bezeichnet das Verfahren eines vorherrschend
speculative« Zeitalters, und muß als beobachtet geschichtlich
nachgewiesen werden. Gerade in dem römischen Rechte sind
wir nun aber am meisten befugt, einen solchen positiven
Beweis zu verlangen, da anerkannt ist, wie dasselbe, je
weiter wir in der Geschichte deS Systems hinauffteigen, desto
getreuer seine Vorstellungen und Begriffe der unmittelbaren
Beschaffenheit der Verhältnisse nachbildete. Selbst da, wo

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