Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

6. Zwei Bemerkungen zur Lehre von der culpa

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Zwei Bemerkungen zur Lehre von der culpa.
Von Roßhirt.

I.
Von der sogenannten culpa in concreto und von
deren Verhältnisse zur culpa lala nachgewiesen in
dem speziellen Falle der culpa tutoris und der Ver-
antwortlichkeit seiner Erben.

Die culpa in concreto hat keine Grade: Dies liegt in
der Natur der Sache, denn wer nach einem durchaus con-
creten Maaßstabe gemessen wird, für den ist alle Abstraktion
und Gradation nicht da. Man kann sagen, er ist schuldig,
weil er sich nicht nach seiner Art betragen hat; man kann
aber nicht weiter eine grobe und geringe Schuld unterschei-
den wollen, zumal auch Nichts davon abhängt. Da übri-
gens, wenn der Obligirte ein durchaus tüchtiger Mann ist,
auf die culpa in concreto nicht verwiesen wird, so muß
man zugesteheu, daß die culpa in concreto immer zur
culpa latior gehört, und daher kömmt es daun auch, daß
so oft in den Quellen, wo nur die concrete culpa gemeint
ist, von einer culpa lata gesprochen wird. So legen wir
namentlich die auf den Tutor sich beziehenden l. 7. §. 2. D.
de adm. tut. die 1. 2. Cod. arbitr. tut. und die I. 3. Cod.
81 tutor vel curator non gesserit aus. Dabei hat aber
schon Hasse scharfsinnig genug eingesehen, daß einiger Un-
terschied zwischen der concreten culpa und der culpa lata
bleiben auuß, und wenn er mit Recht Nichts auf die Di-
stinctioNdes facere und non facere setzen wollte, so war
ihm Nichts übrig, als zu verlangen, daß der mit concreter
culpa Verantwortliche die nöthige Nach- und Ausweisung
liefere, während der zur culpa lata in abstracto Verpflich-
tete den Beweis dieser schweren Schuld abwarten konnte.
Diese Sache ist auch um so natürlicher, als das Prinzip der
concreten culpa eigentlich auf Nichts andcrm beruht, als
auf dem Nachlassen des Beweises über gewisse dem Beweis-
führer zugehörenden Umstände, ferner darauf, daß zur Be-
Rvßhirt, Zeitschrift. Bd. II. Heft 1. 4

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