Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

422 Entwurf eines Strafgesetzbuchs f. ö. Großherzogthum Baden.
einfachste würde daher immer feyn, im allgemeinen den
Rückfall Lei unbestimmten Gesetzen als einen Straferhöhungs-
grund und bei bestimmten als einen Strafschärfungsgrund
zu erklären, und im fpeciellen Theile bei einzelnen Verbre-
chen SpecielleS darüber zu verfügen.
Der Verf. sollte nicht zu erinnern brauchen, daß er weit
entfernt sey davon, in diesen wenigen Zeilen LaS Werk An.
derer mißgünstig oder mit Vorurtheilen anzusehen, oder gar
allen Versuchen der Gesetzgebung entgegenzutreten, denn der
Verfasser weiß zu gut, daß auch in früheren Jahrhun-
derten nicht weniger Particulargesetze in Deutschland gemacht
worden sind, und daß daS gemeine Recht und die Wissenschaft
dabei keinen Schaden genommen hatten, wenn auch weniger
damit selbst für die Praxis gewonnen würde, als man sich
vorstellt; allein er wünscht, daß man Gesetze nur mache ent-
weder um ein neues Recht zu begründen, wo eS nothwendig
ist, oder um die Einheit der Verwaltung in Hinsicht auf
Prozeß, Strafcsyftem u. s. w. herzuftellen, daß man aber
dasjenige, was der Wissenschaft angehört/ möglichst dieser
überlasse. Allerdings muß, um mit den Hegelianischen Ju-
risten zu reden, Methode im Ganzen des Gesetzbuchs feyn,
d. h. nicht nur äußere Ordnung, sondern ein Geist der seine
Zeit gehörig aufgefaßt und die a ll g e m e i n e I n str u c t i o n für
Richter und Volk in innerer Einheit zu einem Kunstwerke
ausgeführt hat: aber man bestrebe sich nicht, dies durch ab-
stracte Darstellungen und allgemeine Sätze zu erreichen, son-
dern überlasse dem Kenner sowohl, wie dem gesunden Sinn
des Richtjuriften, insofern sie das Besondere suchen, darin
im Stillen auch das Allgemeine zu entdecken. Wenn man
einen allgemeinen Theil im Strafgesetzbuche an die Spitze
stellen will, so ist es gewiß räthlich, Vieles wegzulassen,
was in dem vorliegenden allgemeinen Theile steht, und
Manches, was hincingehört, mehr zu stubsiantiiren. Wir
freuen uns nunmehr auf den befondern Theil, welcher eigent-
lich erst den Werth eines solchen Versuches erkennen läßt,
indem, wenn hier das Ziel erreicht ist. der allgemeine Theil
nur wie ein Prolog oder wie die Ouvertüre erscheint, wes-
halb es auch billig ist, unser eigentliches Urtheil bis dorthin
auSgesetzt feyn zu lassen.

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