Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Entwurf eines Strafgesetzbuchs f. d. Großherzogthum Baden. 4-1
ist sicherlich das, dem Richter der juristischen Zurechnung
gegenüber die Freiheit der moralischen Imputation zu eröff-
nen, den ganzen Menschen, die ganze That mit allem,
was vorausging und nachfolgt, in Betracht zu nehmen.
Dieses Princip wird auch leicht durch Interpretation'auf
ein und das andere Nummer der §. §. 141. und 142. hinzu-
führen seyn, womit der Zweck der Sprecher unsrer Zeit so
ziemlich erreicht ist, daß nur unter Allegation einer loi, ohne
Rücksicht darauf, wozu dieses Gesetz benützt werden kann,
regiert und gerichtet werde.
VII.
Diesen Titel wird dereinst die Praxis vorzüglich in das
Examen nehmen. Theoretisch willkührlich ist
a) der Satz deS h. 145, wornach das Hauptverbrechcn,
d. i. das schwerste Verbrechen ganz, die andern aber nur zu
\ gestraft werden.
b) die ganze Lehre von der Strafverwandlung, da man
Gcfängnißftrafe nie in Arbeitshausstrafe und ebensowenig diese
in die Zuchthausstrafe verwandeln sollte, wegen der diesen
Strafarten verschiedentlich zukommenden bürgerlichen Folgen,
und weil wir, wie schon oben vorgekommen ist, das Abneh-
men und Auflegen der bürgerlichen Folgen durch den Richter
in concreto unzweckmäßig finden, indem dadurch wieder in
der Ansicht des Volkes dasjenige untereinandergemischt wird,
was gerade für die Augen der Welt der Gesetzgeber
gerne trennen möchte.
c) Der §. 157., weil wir nicht einsehen, warum der,
welcher in einer Handlung zwei Verbrechen begeht, billiger
gehalten werden soll, als der, der um zwei Verbrechen zu
begehen, zwei Handlungen vornehmen muß. Die alte Doe-
trin von concursus idealis ist doch längst für falsch erkannt.
Die Lehre von der Concurrenz kann man nach unserm
Dafürhalten unendlich einfach darftellen.
Die Beschränkung des Begriffs von Rückfall auf die im
§. 158 angegebenen Fälle scheint auf den ersten Blick ver-
nünftig; allein es ist unrecht, wenn man in der Anwendung
unbestimmter Strafgesetze dem Richter beiandernDelicten
den Hinblick auf den Rückfall abschneiden will, und wir
glauben nicht, daß der Entwurf die Sache so gemeint hat,
obgleich die richtige Interpretation e6 so ansehen muß. DaS

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