Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Entwurf eines Strafgesetzbuchs f. d. Großberzogthum Baden. 419
sich ja der ächte Jurist wie der kühne Seemann gerade hei-
misch und vergnügt findet.
3) Wenn die Begünstigung richtig als besondrer Ver-
brechen ausgestellt ist/ so muß dieses nicht weniger hinsicht-
lich der Beihilfe und des Versuches geschehen. Die prac-
tische Bedeutung der Sache zeigt sich leicht: das Verbrechen
des Gehilfen ist hinsichtlich deS speciellen verbrecherischen
«nimus verschieden vom Verbrechen deS eigentlichen Thäters,
d. h. dieser animus ist beim Gehilfen, nicht wesentlich, son-
dern oft nur ein naturale im Tatbestände, z. B. der Gehilfe
beim Diebstahle kann animum lucri haben und nicht —
ja oft ist die Beihilfe mit dem speciellen animus deS Ver-
brechens gar nicht möglich, wie z. B. bei dem Ehebruch,
wo dann aber immer sehr zu prüfen ist, ob nicht ein eigenes
von der Beihilfe verschiedenes Verbrechen vorliegt, wie die
Kuppelei. Was bei der Beihilfe in der subjektiven Rich-
tung fehlt, daS fehlt bei dem Versuche in der objektiven,
L. i. hinsichtlich der äußeren Erscheinung der Verbrechen,
und mehr hiernach, als nach dem im Z. 117. angegebenen
Maasstabe dürfte die Schuld der Gehilfen zu bemessen seyn;
jedenfalls ist der Punkt des besonderen verorecheri-
schen Interesses wohl in Anschlag zu bringen, was in
unserm Entwürfe nicht geschehen ist.
4) So zeigt sich dann auch hinsichtlich der Begünsti-
gung, daß das verbrecherische Interesse nicht ganz ausser
Anschlag bleiben darf, wie es im Entwürfe geschehen ist.
Das „wissentlich Vorschub leisten" ist nicht genug; es
muß eine dem Gemeinwesen feindliche Gesinnuug seyn, denn
es lassen sich Fälle denken, wo Jemand in wahrhaft guter
Gesinnung Personen und Sachen verheimlicht, weil es besser
ist, das Skandal bleibe im Verborgenen oder aus andern
Gründen. Man sage uns nicht, daß in solchen ausseror-
dentlichen Fällen Begnadigung eintreten könne , denn das
Streben nach Vollkommenheit des Rechtssystems darf sich
auf diese Art nicht abfinden lassen.
5) Der §. 127. in seiner Allgemeinheit scheint unS
höchst bedenklich; cs ist ein in der Geschichte und Erfahrung
fremder Gedanke. Jedenfalls müßte die Frage der Straf-
barkeit selbst in die Natur der Umstände und in das arbi-
trium des Richters gestellt werden. Besser ist es, solche

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