Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

418 Entwurf'eines Strafgesetzbuchs f. d. Großherzogthum Baben.
was im allgemeinen Theile zu wenig steht, denn wir finden
z. B. in unserm Entwürfe Nichts von der Milderung wegen
mangelnden Thatbestandes'), nichts vom Beweise der Noth-
wehr, der bösen Absicht u. s. w. und mehr auf diese Punkte
als auf andre muß der Gesetzgeber durch irgend eine Darstel-
lung denken, weil doch immer eine gewisse Technik im Ge-
sctzbuche zu erkennen seyn muß, die gerade aus solchen Punk-
ten und deren Entscheidung hervorleuchtet.
IV.
Da wir unsere Ansichten über den Inhalt des vierten
Titels schon an einem andern Orte^) sorgfältig dargelegt
haben, so wollen wir diesen Titel nur mit ein paar Bemer-
kungen begleiten.
1) Die im §. 88. ausgestellte Concurrenz halten wir für
unnatürlich: Wer einen Andern tödten wollte, ihn aber
nur verwundete, kann nicht doppelt mit der Strafe der ver-
suchten Tödtung und der vollbrachten Körperverletzung belegt
werden. Es ist hier idem delictum, und der Richter wird
erwägen, welcher Standpunkt vorzuziehen sey, denn der Rich-
ter hat nicht minder wie der Kläger bei der elettiven Con-
currenz den besten Standpunkt auszusuchen.
2) Im §. 92 sehen wir wieder hinsichtlich der bekann-
ten großen juristischen Controverse das System der praktischen
Vermittelung der Meinungen. Wir haben Nichts gegen diese
Richtung dieses Systems, nur glauben wir nicht, daß die
Sache nach der Erklärung in den Motiven abgethan werden
könne durch die Verweisung auf das Complott; son-
dern namentlich in der Lehre von den Staatsverbrechen
wird man der vorbereitenden Handlungen wohl gedenken müs-
sen.^ DaS Resultat dieses Systems der Mitte wird denn
seyn, daß bey.den Verbrechen politischer Gefährlichkeit die
Strenge, bei den Verbrechen moralischer Schändlichkeit
die Milde vorgekehrt wird, d. h. daß dort die vorbereitenden
Handlungen gestraft werden, hier nicht, womit leider, frei-
lich alle Parthien unsrer Zeit übereinstimmen. Im Uebri-
gcn wird durch die Unsicherheit des Begriffes „Vorbereitung"
ein Meer juristischer Controversen eröffnet werden, auf dem

3) Siche jedoch unsre Vermuthung unter Nr. V.
4) l. Band. 3. Heft dieser Zeitschrift.

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