Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

408 Ein paar Bemerkungen zur Lehre vom Pfandrecht.
mittitur, ex pignoribus sibi oblidatis, quibus velit dis-
tractis, »6 suum commodum pervenire. Also, wenn Je-
manden mehrere Sachen verpfändet sind, hat allein er zu ent-
scheiden, welche Sache verkauft, und welcher Sache Erlös
ihm seine Befriedigung gewähren soll. Keine Rücksicht auf
einen andern etwa nachgehenden Gläubiger kann ihn bestim-
men, seiner Willkühr nicht zu folgen; nicht Billigkeitssätze aus
dem nachbarlichen Baurecht von der aemulatio finden hie-
her irgend eine Anwendung, weil kein höheres Interesse ein-
greift, keine politische Moral in Betracht kömmt. Nach
römischem Rechte muß also der Richter den Pfandgläubiger
auffodern, sein Wahlrecht auszuüben, und ist dieses gesche-
hen, so Hai der nachgehende Pfandgläubiger nichts übrig,
als das jus offerendi auszuübcn, und den vorgchenden
freundlich zu bewegen, ihm auch sein Pfandrecht auf die
andre Sache freiwillig abzutreten, denn in dieser Beziehung
ist er nur ebiroxrapbarius, und hat als solcher nur ein
Recht durch freiwillige Cession.") So kann cs dann kom.
men, daß gerade derjenige Nachhypothekar, welchem durch
die Wahl die Gefahr droht, derselben am leichtesten entgeht,
und die AnSübung jenes Wahlrechts geschieht daher am
allerwenigsten in aemulationem. Man denke sich den Fall:
A. hat wegen 1000 fl. eine Hypothek auf S Grundstücke, wo-
von jedes 1000 fl. werth ist, und wo bei jedem eine Nach-
hypotheke mit 500 fl. vorhanden ist. Wenn nun A das
Grundstück Y angreift, und der Nachhypothekar X das
jus offerendi ausübt, und sich auf das Grundstück Z. jura
cessa geben läßt, so leidet gerade der Nachhypothekar deS
letzteren Grundstückes. Wenn aber freilich der Hauptgläu-
biger A jura cessa nicht geben will, so leidet der Nach-
hypaihekar X.
So steht die Sache nach römischem Rechte, und eS wird
den beiden Nachhypothekaren zu rachen seyn, sich selbst
durch einen Vertrag zu assekuriren, und cs wird,
wenn der Hauptgläubiger sein Wahlrecht nicht ausüben will,
sondern das arbitrium judicis anruft, vom Richter eine

19) Haubold de jure offerendi in opusc. tom. I. pag. 597.

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