Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

406 Ein paar Bemerkungen zur Lehre vom Pfandrecht.
derjenige/ der mit einem Generalpfand zufrieden seyn will/
billig in dieser Freiheit nicht gestört werden soll. Dagegen
kann verlangt werden/ daß durch die Ocneralhypotheken das
System der Inscriptionen und der Faustpfänder in seiner
Sicherheit nicht erschüttert werde/ und dies ist es in der
That/ wenn man auf das Princip der Publicirät und Spe-
cialität/ welches eigentlich nur ein und dasselbe
ist / provocirt. Der neue Entwurf für das Großherzogthum
Hessen ist auch in dieser Beziehung unter den neuen Hypo-
ihekgcsetzprojecten der beste. Soll nämlich hiernach eine
Generalhypolhek eine Bedeutung für Immobilien haben/
so muß sie auf die Immobilien inscribirt/ d. h. speeialisirt
und publicirt werden / denn da die Generalhypothek» wenn
sie schon nach ' römischem Rechte vollkommen sichernd seyn
soll/ so bedungen seyn muß: obligantur omnes res, perin-
de quasi specialiter obligatae essent, so folgt jener Ge-
danke von selbst aus den allgemeinen Vorschriften über die
Verpfändung der Immobilien. Hinsichtlich des Pfandrechts
an den beweglichen Gütern aber kann man annehmen/ daß
daS Pfandrecht den einzelnen Sachen in die dritte Hand
nicht folgen solle, in Beziehung auf den verpfändenden
Schuldner aber Wirkung äußere. Gerade dieses ist in dem
hessischen Entwürfe ausgesprochen/ indem die Generalpfand-
rechte so ein Privilegium der vierten Classe im Concurse haben/
und auch als conventionelles Privileg auf die dort eigends
gebildete gemeine Masse geltend werden können.
Diese kurzen Bemerkungen habe ich lediglich als Bestäti-
gung meiner früheren Ansichten gemacht/ daß man bald
das System der Publicität und Specialität weniger pedan-
tisch und begriffsrigorös/ sondern mehr praetisch und im
Geiste der liberalen Ansichten des römischen RechtS/ den
Willen der Partheien möglichst wenig zu beschränken/ ver-
stehen werde.
IV.
Ueber die Befriedigung eines mit mehreren
Hypotheken versehenen Gläubigers.
Die Darstellung des römischen Rechts leidet am meisten
dadurch/ daß zu wenig auf die formellen Verhältnisse/unter

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