Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Vom nothwendigen domicilio.

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fetten irregeführt sieht. Z. B. A. hat in einem Dorfe eine
Pfarrstelle/ bittet/ feiner Gesundheit wegen/ in eine Stadt
ziehen zu dürfen/ wahrend er die Pfarrstclle behält und einen
Vicarius setzt. Gemäß dieses Urlaubs lebt A. viele Jahre
in der Stadt und stirbt endlich daselbst. Bei der Regn-
lirung der Güterverhältnisse mit seiner Frau kömmt es
darauf an/ welches sein Wohnort ist/ ob in der Stadt oder
am Orte seiner Pfarrer/ oder ob er vielleicht zwei Wohn-
orte habe? Hierüber entscheidet nun nach unserer Meinung
der Gedanke/ daß/ wer einen uothweudigen Wohnort hat/
diesen so lange behält/ als der Grund besteht/ weshalb ge-
setzlich der Wohnort bestimmt ist '). Es kömmt daher hier
nicht sowohl auf das Factische der Wohnung als auf das
Juristische/ wodurch Jemanden ein Wohnsitz angewiesen ist/
an Allein auch in der Lehre vom Besitz kömmt AehultcheS
vor: wenn Jemand aus der Detenlion einer unbeweglichen
Sache gesellt ist/ ohne es zu wissen/ so behält er juristisch
den Besitz/ ohne ihn factisch zu haben. Man muß daher
nie vergessen/ daß/ wenn auch im Rechte Besitz und
Wohnsitz ihrer Natur nach auf bloS factische Voraus-
setzungen berechnet sind/ doch nicht selten juristische Vor-
schriften Erweiterungen sowohl als Beschränkungen jeneS
Begriffes herbeigeführt haben. So ist namentlich der Punkt/
daß Jemand zu gleicher Zeit zwei Wohnsitze haben kann/
eine Erweiterung eben so gut wie die compossessio oder
jm-is quasi possessio — und so ist der Punkt/ daß Jemand
durch wirkliche Veränderung seiner Wohnung den Wohnort
nicht verändert/ eine Beschränkung des Satzes/ daß Alles
allein rn diesen Begriffen vom corpus und animus abhängen
1öÜ. In unserem obigen Beispiele folgt hieraus/ daß der
eheliche Güterstand des Pfarrers A. nach den Gesetzen des
Ortes der Pfarrstelle1 2) und nicht nach den Gesetzen deS
1) I. 31. D. 50. 1.
2) Von jeher hat man von dem domicilium beneficii ecclesi-
astici gesprochen. Lauterbach de domicilio, cap. III.
§• XXIII. in vol. II. dissertatt. pag. 1332, und wenn tllrttt
t>icv wie bei den römischen Senatoren 1. 11. D. 1. 10. oft
flucl) ein doppeltes domicilium hat behaupten wollen/
nämlich das eigentliche factische/ und das domicilium
dignitatis, so läßt sich der Gedanke zum wenigsten nicht
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