Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Ueber Exceptiones im Allgemeinen. 357
von einer Seite voraus, Hnd es findet in dieser Stellung
ganz noch das römische Recht Anwendung.
2. Die Verabredung zum Tausche aber ist jetzt wie ein
Consensualcontract zu behandeln, und in dieser Beziehung
kann die exemptio non adimpleti contractus stattfinden.
Aber schon oben ist bemerkt, daß die römischen Consen-
sualgeschäfte immer die Natur des Realcontracts annehmen,
wenn zum Vertrage die Leistung des einen Theils Hinzuge,
kommen ist; und bei den Römern bestand also aller Unter-
schied darin, daß alle Geschäfte alS Realcomratte durch
Klage sich geltend mache» konnten, während nur einige
im bloßen Consensus das Fundament der Klage batten. In
unferm Rechte find alle Verträge ConsensualcontractuS:
dabei aber ist die Richtung aller als Realverträge nicht
untergegangen. Wichtig ist dieser Punkt prozessualisch, wenn
man im Executivprozesse auftreten will, denn klagt man
hier bloß aus dem Vertrag, so braucht man auch nur die-
sen urkundlich zu beweisen, und braucht wegen der etwaigen
exceptio non adimpleti contractus nicht etwa ein Mehre-
res zu thun, obgleich, wenn sie gemacht wird, man auch
die solutio urkundlich darzuthun im Stande oder die Er-
füllung augenblicklich mir der Gegenleistung zu machen be-
reit sein muß.
WaS hier vom Tausche angeführt, gilt von den trans-
actis und pactis aller Art vorausgesetzt, daß eine wechsel-
seitige Leistung bedungen ist, die, wie Heerwart richtig
sagt, Zug für Zug, geschehen muß; denn hier ist zugleich
mit der Klage des einen TheilS die Klage des andern be-
gründet; ein Compenfationsverhältniß darf man dieß nicht
nennen, wie Einige gethan haben, sondern die exceptio
geht vielmehr dahin »deine Klage findet so lange nicht
statt, als die meinige besteht." Dies ist in der Thar
die exceptio non adimpleti contractus, und man kann
nicht mit Schenk darin etwas widernatürliches finden, weil
man sonst die Obligationen do, ut des, do ut facias, facio ut,
des, facio ut facias ohne Ausnahme widernatürlich nennen
müßte. Die Römer hatten nun freilich das do, ut des vel
facias nur bei dem Kaufe kraft Gesetzes und verlangten
ausserdem bei den Consensualeontraeten ein pactum adjec-

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