Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

lieber Exceptiones im Allgemeinen.

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in vielen neueren Schriften erörtert*). Offenbar ist die Be.
deutung der exceptio eine doppelte, eine prozeßualische und
eine civilrechtliche d. h. nicht nur für daö Verfahren, sondern
für das Recht selbst. Rach dem ordo judicii privati trat der
Unterschied nicht so grell hervor, und da der Prätor das Recht
wies, und gleichsam über jeden Rechtsfall eine eigene RechtS-
weisung, (formula, lex judicii) gab, so war lttcht unter-
schieden, wie bei unS dasjenige, was der Richter hinsicht-
lich deS Verfahrens zu thun hat und dasjenige, was er in
der Sache selbst thun darf. Mit Aufhebung deS Ordo ju-
dicii, mit Verstopfung der Quelle der Rechtswciftmg durch
den magistratu« wurde das Verhältniß anders. Der civil-
rechtliche Gang der Fortbildung wurde im Ganzen erhalten,
nur daß Senatus-Consulte, Constitutionen und Ansichten
der Gelehrten Exceptione« begründeten: der prozeßualische
Stand war durchaus verändert. Von nun an nämlich war
exceptio prozeßualisch nicht mehr das was es früher
war, sondern man unterschied hier lediglich die partes ac-
toris und die partes rei ganz allgemein. So steht im Grunde
die Sache auch noch heutzutage. Weder das kanonische Recht,
noch Reichsgesetze haben daran etwas abgeändert, und die
kühnen Conjecture» der neueren Schriften sind leider nur
Irrlichter. Alles, was neu verfügt worden ist, bezieht sich
auf die Ordnung, die innere Oeconomie und auf die Zeit
deS Vorbringens der Partheien: Nichts sollte aber dadurch
an dem Wesen und an den Ansichten der Exeeptionen abge-
ändert werden^).
Steht man auf diesem Punkte, so wird es so schwer nicht
werden, die Natur der Exeeptionen für das gegenwärtige
Recht zu bestimmen, wenn auch Viele die Sache für ein
verzweifeltes Unternehmen ansehen. Seit der Aufgebung
des alten ordo judicii ist der civilistische und prozeßualische
Standpunkt für die exceptio ein durchaus verschiedener.
Exceptio im ersten Sinne bedeutet das besondre Recht des
Beklagten, wodurch er der an und für sich begründeten

1) Zimmern Rechtsgeschichte. HI. Band. S. 283.
2) Dies giebr auch Bayer in seinen Vorträgen. Lte Ausgabe.
S. 25L zu.

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