Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Das Römische Recht tn Frankreich seit 1830. 321
ja vom ganzen jus civile antejustinianenm, ist ln diesem
Buche keine Rede. Man traut seinen Augen kaum, wenn
man die JabrSzahl 1832 auf dem Titel lieSt: daß in der
Vaterstadt des großen CujaciuS, den Ruffat wohl an-
führt — ein Buch dieser Art habe erscheinen können. Der
Verfasser scheint sich nicht diesen, sondern seinen im Jahr 1554
ihm vorgezogenen absurden Concurrenten Fort atuluS,
zum Muster genommen zu haben. Und demnach ist daS Buch
nur ein schlechtlateinischer Auszug aus Hein ee cius, dessen
Namen der Verfasser nicht einmal zu schreiben weiß (er sagt
nemlich stets HeinneceiuS), ohne allen kritischen Sinn,
ohne Selbststudium, ohne Geist. Deshalb soll Herr Ruffat
auch gar nicht mehr erwähnt werden: eS ist glücklicher für
ihn, von der gelehrten Welt eben so ignorirt zu werden,
wie er diese selbst ignorirt. Wir rufen ihm gleich einem
Todten zu: Requiescat in Pace!
Herrn Quinon'S Lehrbuch bildet Ruffat gegenüber
einen erfreulichen Gegensatz. Wir finden in ihm ein löbli-
ches Streben nach Selbstständigkeit und Gründlichkeit. Er
hat die Themis gelesen, von dem Gange der Wissenschaft
Notiz genommen, alte und neue Quellen studirt. Wenn dem-
ungeachtet das Werk den Anforderungen der Wissenschaft im
Jahr 1834 nicht entspricht, so scheint unS der Grund darin
zu liegen, daß sein Verfasser nicht in einer neueren Schule
gebildet worden ist. Seiner Vorgänger Methode klebt ihm an,
Nebenrücksichten auf das in Grenoble Herkömmliche scheinen
ihn besonders im ersten Theile des Werkes zu leiten, wie
z. B. die Rücksicht auf die den §. §. der Institutionen ent-
sprechenden Artikel des Coäe Civil ( die jederzeit am Rande
bemerkt werden ). Er ist nicht mit der Römischen Rechts-
wissenschaft deS neunzehnten Jahrhunderts, nicht mit unsrer
reichen juristischen Literatur vertraut, nur einige Schriftsteller
sind ihm bekannt geworden, deren Ansichten ihm aber gerade
deßhalb oft unverständlich sind, weil er nur einzelnen Punk-
ten bei ihnen seine Aufmerksamkeit schenkte.
Auch müssen wir bedauern, daß Herrn Qu in o n'S la-
teinischer Styl nicht reiner ist. ES finden sich der Gallt-
eiSmen unendlich viele; man vermißt elassischen Geschmack,
Bündigkeit und Ründung re. — BinniuS und He ine c-

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