Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Das Römische Recht in Frankreich seit 1830. 317
besonderem Interesse lesen wir in ihr einige Aufsätze über daS
ältere französische Recht, die wir vorzüglich den Herrn
Troplong undKlimralh verdanken. Die Gründlichkeit die-
ses lezternjungenRechtSgelehrten und,die lobenswerlheRichtung
seiner Studien berechtigen uns zu den schönsten Erwartungen,
und lassen unS hoffen, daß die französische Regierung ihm bald
einen geeigneten Wirkungskreis anweisen werde: denn eS
ist höchst eigen, daß für das aller Rationellste im französischen
Rechte, nemlich daS wirkliche, d. h. alte französische
Recht — biö jetzt noch kein Lehrstuhl in Frankreich besteht.
Wir haben hier nicht die Absicht, die sämmtlichen
Zweige der Rechtswissenschaft in Frankreich auf ihrer ge-
genwärtigen Höhe zu beschauen. Das Gemeinsame, wag wir
hier bis jetzt anführten, sollte alS Einleitung dienen zu einer
näheren Betrachtung des Studiums des Römischen RechtS,
wie es jetzt in Frankreich betrieben wird-
AlS im Jahr 1820 die Themis ins Leben trat, sollte
sie den wissenschaftlichen Geist in dem französischen RechtS-
studium, vorzüglich durch eine Wiedererweckung der klassischen
Behandlung des Römischen RechtS, wie sie im sechszehnten
Jahrhundert in Frankreich blühte, neu beleben. Dieses Stu-
dium lag tief darnieder, Iou rdan opferte ihm sein Leben,
und die vereinte Thätigkeit seiner Freunde führte den Anfang
besserer Zeiten herbei. Was ist nun seit 1830 aus diesem
Studium geworden?
Die kurze Periode von 1820 bis 1830 hatte nicht hingereicht,
um richtigere Theorien des römischen RechtS in der Praxis
zu verbreiten. Die französische jurisprudence hatte auö den
gewöhnlichsten Schulbegriffen nur das Röthigfte als Grundlage
der Auslegung und der Anwendung der volles beibehalten.
Der durch Berthelot in Frankreich zum unfehlbaren Orakel
gewordene Heinecciusf nemlich seine Elementa juris civilis)
waren von neuern Büchern noch nicht verdrängt worden.
Man legte wenig Gewicht darauf, alles Reue namentlich
was diesseits des Rheineö möchte zu Tag befördert worden
feyn, zu kennen: man studme die Institutionen blos des
Examens wegen, und deßhalb wurden Lehrbücher in
Fragen und Antworten, die etwa einen Studenten oder
einen Repetenten zum Verfasser hatten, viel wichtiger/ als

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