Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Vom AssociatiottS-Ncchr.

den unsre Strafgerichte rücksichrlich des Verdachts groM
Verbrechen von der Instanz abiolvirt haben , für einen Men-
schen , zu dem man sich Schlimmes verstehen muß, und läßt
sich gleichwohl bei juridisch unvollständigem Beweise eine
außerordentliche Strafe rechtfertigen? — Deö Verfahrens
gegen die oft die ftaaisgefährlichsten Gesinnungen bloß gebenden
Preßfrevler und der so schwierigen Beurtheilnng ihrer Ver-
gehen will ich hier gar nicht erwähnen. Sie liegen, solange
die Justiz, gegen die Tendenz-Processe im Geschmacke deS
Ministerum Villele, gerechten Abscheu trägt, auf stacher Hand.
Hat also, wie die gewöhnliche Meinung consequent voraus-
sctzen muß, die Staatsgewalt gegen Gesellschäften keine
ausgedehntere Befugnisse, als gegen Individuen, fo dürfte
ihr nicht nur das Regieren sauer werden, sondern auch ihre
Selbst-Erhaltung auf dem Spiele stehen, da es nicht un-
denkbar ist, daß sie in bewegten Zeiten Conspirationen un-
terliegen muß, welche, so sehr sie sich vor dem Scheine hü-
ten, sie gewaltsam Umstürzen zu wollen, es dennoch offen
auf den subtilen Mord anlegen, sie am Siechthum sterben
zu lassen, ungefähr, wie die Römer, nachdem bei ihnen
die Todesstrafe gegen die Römischen Bürger in Abgang ge-
kommen war, dafür fcteaquac et ignis interdictio erfanden,
welche durch Entziehung der Lebens-Elemente tödten mußte,
wenn der dazu verdammte uicht vorzog, das Land gutwillig
zu räumen. — Die Frage ist wichtig und um so folgenreicher,
da auf der anderen Seite hinter den geselligen Trieben,
welche so leicht in einekaetio, seditio oder turba ausarten,
zugleich die Parthie des menschlichen Geschlechts gegen daS
Unrecht, die Falschheit und die Dummheit, als seine na-
türlichen Feinde, verborgen ist, und daher dem Unfuge nicht
gesteuert werden darf, ohne zugleich der öffentlichen Mei-
nung ihre Spontaneität zu bewahren.
Dieses Räthsel scheint mir in unserem positiven Rechte
auf eine Art gelöset, welche beiden glücklicher Weise Hand
in Hand gehenden Zwecken genugthut, da dasjenige, was
die Staats - Einbeit gefährdet, auch zugleich zu jenen
Stagnationen führt, welche die ächte, nie in eine gerich-
tete Sache übergehende und wie der Geist Gottes über den
Wassern schwebende öffentliche Meinung am wenigsten auf-

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