Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

*84 Ueber -e« gegenwärtigen Zustand -es CriminalrechtS tt,
Systems nicht mehr Kunst auf die Anpassung des befondern
TheilS an den allgemeinen wenden, als wirklich da ist/ denn
ln der Thar hat er vielfach schon zu viel gethan. Am wich-
tigsten sind zur Erkennung des Feuerbach'schcn Geistes im
besonderen Tbcile folgende Punkte:
1) Die Rücksicht auf Religion und Moralität sieht
Feuerbach als etwas Fremdes für das Criminalstrafrechr
an, daher verweißt er die Blasphemie unter die Injurien
gegen die Religionsgesellschaften und die sogen, delicta car-
nis unter die polizeilichen Vergehen 6e).
2) Nunmehr führt er alle Verbrechen auf den objektiven
Standpunkt der Verletzung von Staats-und Privatrech-
ten zurück, und auch sein zweiter Haupttheil, welcher
die vagen Verbrechen enthält , d. h. die nicht ein bestimmtes
Recht zum Object haben, müssen doch die objektive Grund-
lage einer Rechtsverletzung im Allgemeinen anerkennen.
Allein wie unrichtig dies ist, geht daraus hervor, daß die
Fälschung ohne Beschädigung vollendet ist: freilich sagt
Feuerbach — das Recht auf Treue und Glauben fey ver-
letzt; allein daß dies nur leere Begriffs-Construction ist,
hat bereits vortrefflich Birnbaum gezeigt.
3) Wenn schon auf diese Weise der Geist des positiven
Rechts zerstört, und das ganze Strafrecht der Ansichten der
modernen Staatsphilosophie über Staatsvertrag, Social-
princip und Egoismus einer blos äußeren Sraatöpersön-
lichkeit untergeordnet ist, so wird am. Bestehenden noch mehr
zerstört durch die Entwickelung des Details jedes einzelnen
Verbrechens 67). Am meisten tritt dies hervor, wo eben die
moderne Staatsphilosophie am meisten Einfluß hat, z. B. bei
dem Hochverrath, woher es dann aber auch kommt, daß seine
Ansichten vom Hochverrath übcrgegangen in das bairische Ge-

66) Der McinEid steht unter den Betrügereien.
67) Der berühmte Verfasser bat uns einmal an der Spitze sei-
nes Werkes in der Note zum §. 8. a. ernstlich und das an-
deremal gelegentliche 199. not. b. etwas heimtückisch an-
gegriffen, indem er hier uns vorwirft, die wirkliche Ge-
schichte scy eine andere als die von uns aufgestellte: allein
diesen Vorwurf können wir zurückgeben,»indem nach Feuer«
b achs Darstellung im positiven Theile Vieles nicht positiv ist.

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