Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

$88 Heber den gegenwärtigen Zustand des CriminalrechtS re.
buch nicht blos Bedeutung für das zu bestrafende Subject
haben soll, sondern ein Mittel für die höchsten Zwecke der
Allgemeinheit ist. Aber soviel ist wahr, daß, wenn Jemand
in der Strafe gewisse Vortheile sucht, z. B. wenn er eine
Liebschaft in einem bestimmten Zuchthause hätte, der Rich-
ter das Recht hat durch Strafverwandlung solche Pläne zu
vereiteln. Aber dieser Gedanke ist natürlich ein ganz andrer
als der Feuerbach'fche. Wenn Feuerbach !§. iko. ver-
langt , daß die Strafe öffentlich vollzogen werde, so'gcht er
wieder zu weit, denn es kann z. B. nicht verlangt werden,
daß der Verurtheiltc in eonspeetu omnium in das Strafar-
bcitshaus abgeführt werde, vielmehr muß das Resultat der
Bestrafung entweder durch ein öffentliches Verfahren oder
auf andere Art veröffentlichet werden, damit die Menschen
unter sich den festen Gang der Gerechtigkeit erkennen.
Was die einzelnen Arten der Strafen angeht, so glau-
ben wir, daß auch hier schon in der Erfahrung die wahre
Grundlage alles Strafrechts sich ausspricht. Es ist nämlich
ein natürlicher Trieb aller gebildeten Völker, sowie das Ver-
brechen aus einer schändlichen Gestnnung kommt, die Strafe
hinwiederum auf die Schande und Verachtung hinzuführen ").
Die Römer auf dem Höhepunkte ihrer politischen Bildung
haben dje Strafen unterschieden, welche die Persönlichkeit
angreifen (capitis poenae) und diejenigen, welche an die
Ehre gehen (existimationi.«; poenae). Freilich wird man
oft auf aus Gründen politischer Sicherheit mit beiden Arten
noch eine dritte Kraft verbinden müssen, die Beschränkung
der Freiheit. So entsteht dann ein höchst einfaches System
der Strafübel.

65) Wie Alles an dem Faden eines Gedankens bei Feuer-
bach hängt, siebt man auch aus der von ihm erfundenen
Haupt-Eintheilung der Strafen in psychologische und
physische, ganz die Wiederhoblung deö Psychologi schen
und physischen Zwangs. Sonderbar genüg rechnet er
nicht nur die Ebrenstrafen, sondern auch die Vermögens-
strafen zu den psychologischen und darin liegt wieder, daß
er auf die bürgerliche Schande für sich nichts setzt, und
am allerwenigsten die Ehrenstrafe als eine allgemeine
Strafe anßeht.

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