Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Ueber den gegenwärtigen Zustand des CriminalrechtS i». *79
SenatuS Consulte und kaiserliche Constituitoaen Vorlage«,
die daS Detail der Delicte festsetzten, im allgemeinen
durch die Wissenschaft noch dargestellt werden mußten daS
System der Strafmittel, welches sehr complieirt gewOde»
war/ und dabei den Richtern große Gewalt gab, ferner ei-
nige Regeln über daS arbitrium. Diese beiden Punkte um-
faßt der Titel de poenis. In letztrer Hinsicht ist die oben
abgedruckte lex die Hauptftelle, an welche sich noch anschlie-
ßen die 1. 13, welche zeigt, wie groß daS richterliche ardi-
trium ist, die l. 16, welche einige allgemeine Betrachtungen
über die Delicte enthält, die II. 18. 24. 25, welche ebenfalls
zeigen, daß der römische Criminalrichter dieser Zeit freie
Hand harre. Ueberall sind auch Bemerkungen über die
Praxis der Bestrafung einzelner Verbrechen eingeschaltet,
und diese hatte in der Thar damals dieselbe Bedeutung,
wie etwa jetzt in Deutschland in jenen Gerichten, wo daS
gemeine Criminalrecht waltet. Die angeführte Hauptstelle,
von der man sagte, daß ste mehr werth sey, wie die ganze
Carolina, verweist nun sehr allgemein auf einen milden
Ernst, gibt aber dabei nichts näheres an, weil auch in der
That, wo das arbitrium judicis herrscht, keine Regeln sich
gut geben lassen. Schon haben wir angeführt, daß hier
alles Milderungsgrund sey, was dem RechtSgefühle (ethi-
schen Gefühle) entspricht und dabei auf einen bestimmten
Grundsatz gebracht werden kann. Z. P. wenn in einem
Raufhandel gegenseitig gefehlt wurde, die Raufer der einen
Seite aber nur hinfichtlich ihrer ietus überwiesen werden
können, nicht aber die Raufer der andern Seite, die ietus
aber auch von dieser Seite erwiesen vorlieqen — so ist na-
türlich , daß den Uebcrwiesenen, weil der Gegentheil zufäk-
lig leer auögeht, einiges temperamentum werden muß.
In Rücksicht auf solche Beziehungen nun ist auch die -weite
Stelle der obigen lex geschrieben, die davon auSgeht, daß
zwischen der eigentlichen Schuld (propositum) und dem Zu-
stande der Nichtzurechnung (easns) ein Zustand in der Mitte
stche, welcher zwar strafwürdig sey, aber zum temperamento
berechtige. Dieser Mittelzustand ist bezeichnet als uniwi im-
petus ^ und im Gegensätze zum propositum alS Uaüberlegt-
heit in Folge des Reizes. Soferne nun in einige« Fällen

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