Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

276 Heber den gegenwärtigen Zustand des CriminalrechtS re.
stellte. Auch begegnet uns kein Zeugnis der früheren Zeit,
daß der entfernte Versuch straflos blieb", soferne er nur ge-
hörig zu constatiren war- Immer lag die Theorie vor, daß
der Versuch anfange, wo der Gedanke in eine äußere Hand-
lung übergehe (scheinlich Werk). Man muß anerkennen,
daß bei der ersten Bearbeitung des CriminalrechtS Grund-
sätze der römischen oder vielmehr der veredelten christlichen
Ethik durch das Medium des kanonischen NechtS übergegan-
gcn sind in die deutschen Rechte, welche selbst ursprünglich
nur das Naturgefühl dek erwachenden geselligen Ordnung,
die Reacrion gegen den Erfolg einer unrcchrlichen Hand-
lung kannten. So ist eö dann gekommen/daß einige Rück-
sicht auf den äußeren Erfolg immerhin blieb, aber nur in
dem Verhältnisse der angewendeten Mittel. Dabei muß
man nicht übersehen, daß von dem Versuche eines bestimm-
ten Verbrechens nur die Rede scyn kann, wenn man auch
bestimmt an dies Verbrechen gedacht hat: so wenig ein
culposer Versuch denkbar ist, so wenig ein versuchter Tod-
schlag, denn da dieses Verbrechen jedenfalls nur in animi
impetu begangen wird, dieser aber jede klare Besinnung aus-
schließt, so kann man auch nicht den bestimmten Gedanken der
Tödtung voraussetzcn. Eben liegt uns ein Fall vor, wo Je-
mand mit einem Messer ausgegangen ist, in verzweifelter Ge-
müthsstimmung gegen einen Wucherer, der ihn um seine
Existenz gebracht hatte: nach dem ersten Wortwechsel ver-
setzte er diesem einige Stiche, die anfangs lebensgefährlich
schienen: man wird hier nicht von einem Versuche des Tod-
schlagS, sondern von einer gewaltsamen Behandlung und
Verwundung sprechen müssenwenn aber der Tod erfolgt
wäre, vom Todschlag. Wer dagegen einen aus ein bestimmtes
Verbrechen oder alternative auf zwei bestimmte Verbrechen
gerichteten Zweck hat, und zu diesem die rechten Mittel
wählt, fällt, wenn auch der Erfolg nicht eingetreten ist, in
den Versuch. Wenn man sofort das Verhältniß der rechten
Mittel näher untersucht, so darf man sich nicht wieder auf
eine reine Begriffsbestimmung einlassen, des Unrechten Mit-
tels in abstrseto und in eonereto, denn wenn auch durch
diese Unterscheidung in einzelnen Fällen die Sache klar

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