Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Von der Solution der Obligationen. 25
liegt so ziemlich in der Natur der Sache; allein sofern kein
Widerruf da war/ würde der Legatar ein aestimatio haben
in Anspruch nehmen könne»/ wenn sich nicht unser RechtS-
satz als eine praesumito juris ihm entgegengestellt hätte.
Da wir nur ein Paar Stellen über diesen Rechtssatz haben/
so können wir historisch gar nichts über ihn sagen: aber
gewiß ist es/ daß er auf verschiedene Verhältnisse augewen-
det wurde/ und zwar:
a) Darauf/ wenn jemanden dieselbe Sache von zwlei
verschiedenen Personen im Testamente überlassen war/
jedoch waltete hier ein feiner Unterschied; hätte der Erbe
des ersten Testaments die Sache nicht erwerben können/ und
also dem Legatar aestimationem prästiren müssen/ so muß
der Erbe des zweiten Testaments die Sache/ welche er haben
kann/ noch ausliefern. Hat dagegen der Erbe des ersten
Testaments die Sache ausgeliefert/ so ist der Erbe des an-
dern Testaments auch von der aestimatio frei w).
b) Darauf/ wenn durch Geschäfte inter vivo« dieselbe
Sache demselben creditor von mehreren zugesagt ist ^).
Wieweit aber hier der Satz auszudehnen sey/ ist durchaus
zweifelhaft/ weil uns die Quellen gänzlich verlassen. So
z. B. können wir hier nicht sagen/ daß wenn der creditor
zuerst aestimationem empfangen habe/ er dennoch auch rem
noch haben könne/ denn bei den Testamenten ist der Wille
des Disponirenden viel liberaler zu behandeln/ als bei Ge-
schäften unter Lebenden. Dort nämlich' ist der allgemeine
Zweck der/ weil man seine Sachen nicht mitnehmen kann/
sie ohne weitere Zwecke zu verschenken/ hier aber bei Ge-
schäften unter Lebenden ist gewöhnlich ein spezieller Zweck da/
und aus diesem der Umfang der Liberalität näher zu be-
stimmen. Mit Recht haben daher Manche unfern Satz auf
das Prinzip zurückgeführt:
Quotiens id. quod tibi debeam, ad te pervenit, et
tibi nihil absit, nec quod solutum est, repeti possit:
competit liberatio 3S).

36) §. 6. J. cit.
37) 1. 1 y, D. 44. y.
3S) 1. 61. D. 46. 3.

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