Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

fe04 Hebet den gegenwärtigen Zustand des Criminalrechts re.
Dabei Übersieht er denn ganz die eigembümlichc Bestimmung
des Strafrechts. Die Strafe ist nicht eigentlich ein
Rechtsmittel oder ein ExecmionSmittel fürGWBefehle der
Staatsgewalt, für den Schutz wohlerworbeWRechte, son-
dern sie ist eine unmittelbare Kraft für die Regierung
Und Leitung im Staate46). Die S^ratsordnung ruht auf
der Anlage der. Menschen zur geistigen und sittlichen Bil-
düng' auf dem Schutze der Freiheit und der Entwickelung
der Individuen, auf der Unterordnung derselben unter die
Staatspcrsönlichkeit, und auf der Wirksamkeit der letzteren da,
wo die Entwickelung der Individuen und ihre Kräfte das
Ziel deS Guten und Nützlichen nicht erreichen würden. Das
Strafrecht garantirt auf die direkteste Weife alle
diese Interessen: die Strafe bewahrt die Nation vordem
Verfall in Rohheit und Uusittlichkeit, schützt die Persönlich-
keit der Einzelnen und des Staats, und die Wirksamkeit der
Privatpersonen sowohl, wie des Gemeinwesens. Wie richtig
unsre Ansicht sey, geht schon daraus hervor, daß in jeder
Ordnung menschlicher Dinge sowohl in der durch die Natur
erzeugten, wie bei der Familie, als auch in der durch freien
Vertrag geschlossenen, die Strafe gleichsam die höchste Kraft
ist. Daher kommt es auch, daß man sich solange darüber
Nicht versteht, ob das Strafrecht ein Thcil des Staats -
oder des Privatrechts sey. Bei den Römern konnte man mit
dem Unterschiede in jus publicum et privatum fertig wer-
den, bei den Römern rechnete man namentlich daS Straf-
recht theils zu dem jus publicum, theils zu dem privatum,
weil der ganze Unterschied nicht auf die Verschiedenhöjtett
voN Rechten, sondern auf die von Handlungen gebaut war.
Die Wirksamkeit des Volks und der magistratus bildete
das jus publicum; dasjenige, was jedem Einzelnen Über-
lassen war, das jus singulorum, Und ebendeshalb gehörte
das Verhältniß der Geltendmachung der Strafe bald zur
Wirksamkeit der Volksgerichte47j, der Censoren — bald zur

46) I. 1. §. 1. v. I. 1. Der Römer drückt sich hier ganz im
griechischen Geiste aus, zu dessen Erkennung wichtig ist,
daß Team] sowohl Strafe als Belohnung beißt.
47) Mit den Volksgerichten hängt e6 zusammen, daß jeder
aus dem Volke den Prozeß anregen kann.

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