Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

lieber -en gegenwärtigen Zustand des CriminalrechtS rr. 859
Mein verehrter College wird mir zugeben, -aß der von ihm
aufgestellte Unterschied im Grunde auS der Feuerbach'fchen
Theorie nicht hcrauSführt, wornach jede Analogie ver-
worfen ist. *
Etwas anders erklärt sich Wächter") Er unterscheidet
die Gesetzesanalogie als den Schluß von einem einzeln
nen Gesetze auf einen dem Gesetzesfall ähnlichen easus,
und die RechtSanalogie als den Schluß vom ganzen Systeme
des Rechts auf die Strafbarkeit eines darin nicht enthal-
tenen Falles"). Praktisch macht er den Unterschied so, in-
dem er sagt, man müsse zwei Fälle trennen, ob man bei ganz
übergangenen Punkten, also da, strafen dürfe, wo man nicht
einen einzelnen passus einer Rechtsquelle anziehen könne,
und ob man strafen wolle, wo eine Aehnlichkeit im Einzel-
nen des bestehenden Rechts sich finde ").
Hier aber setzt auch Wächter offenbar voraus, -aß
das einzelne Gesetz der wahre Grund der Strafbar-
keit sey. Dabei halten wir die ganze Richtung dieser Dar-
stellung für verfehlt, denn es wird sich kein Fall denken las-
sen, wo eine Analogie im Geiste dex Gesetzgebung vorhan-
den ist, die nicht auch als Analogie von dem Standpunkte
einzelner Rechtssätze verfolgt werden könnte.
Genug die Erfindung der Worte: Rechtsanalogie
und Gesetzanalogie ist eine Folge des Systems der Mitte;
aber im Ganzen wird dadurch die Analogie verworfen, oder
nur als ausdehnende Gesetzinterpretation zugelassen, was
in der That eine Verwerfung ist, man wollte denn Wäch-
ter so verstehen, daß er nur eine theoretische, nicht aber
eine praktische Unterscheidung habe aufstellen wollen, die aber
ebendeshalb hätte vermieden werden sollen. In der That

37) ß. 4i. seines Lehrbuchs»
38) So ist wenigstens die nicht klar genug ausgedrückte po«üo
d. sicher auszulegen.
39) Wenn Wächter in der Note 94. lehrt, im Allgemei-
nen müsse wobl von Allen die Wirksamkeit der Analogie
angenommen werden, so ist dieses. Zugeständnis ganz frucht-
los, wenn er ihre Anwendung im Besondern, d. h. so
fern eine Handlung nach dem Geiste des Rechts gestraft wer-
den soll, wo der Buchstabe fehlt, in Zweifel zieht.
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