Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

lieber den gegenwärtigen Zustand des CriminalrechtS rc. 853
alle Darstellungen über eine besondere Grundlage der jrim*
stischen Freiheit sind daher uunothig. Nach unserer Ansicht
tritt wohl immerhin eine eigene juristische Imputation her--
vor, weil der Richter die ethische unmöglich handhabe»
kann, indem ihm die Prämissen dazu fehlen, aber nur aust
diesem Grunde innerer Nothwendigkeit wird die juristische
Zurechnung auf allgemeine Grundsätze zurückgeführt; dage-
gen ist dem Richter erlaubt, wenn die quantitative Aus-
messung der Strafe in seinem arbitrio steht, auch auf andre
Momente Rücksicht zu nehmen, als auf jene allgemeinen
Grundsätze, und sich so der ethischen Imputation zu nä-
hern, soweit cs nach den Umständen immer möglich ist.
Um nun sofort auf den eigentlichen Gegenstand unsrer
Darstellung überzugehen, so rechtfertigt sich von selbst
a) die Stellung und Bedeutung der mores als Praxis
und Doctrin, sowie der Analogie, und zwar die erstere als
materiell schaffende "), die andere als formell schaffende*')
Rechtsquelle. Die Praxis und Doctrin ist nämlich nichts
andres als die Entwickelung deS im Volke liegenden Rechtst,
welches zusammengehalten mit den ausdrücklichen Gesetzen
daS vollkommene System gibt, und dessen noch etwa beste-
hende Lücken durch die Kraft der logischen Thätigkeit aüS-
gefüllt werden. Diese Ansicht wird schon dadurch gerecht-
fertigt, daß sie den Grundsätzen des bürgerlichen Rechts
überhaupt entspricht, und daß selbst die mit dem Staatst-
Intcresse mehr zusammenhängenden Theile wissenschaftlich
veredelt werden, wenn sie sich dem freien Bildungsgänge
deS Privatrechts anschließen. Dies ist dann auch um so
leichter möglich, als nicht, wie bei den Römern der früherer
Zeit wegen ihrer steifen Nationalität, und der späteren Zeit
wegen ihrer Weltherrschaft das jus publicum gleichsam ver-
einzelt steht30), sondern als nach dem jetzigen Zusammenle-
ben der Völker und Staaten ein wahres jas gentium oder
naturale auch in Hinsicht auf das öffentliche Recht anSge-

28) Die eigentlich« materielle Grundlage dabei ist die aequitas.
29) Auch der Sache nach sind hier die Grundlage die formelle»
Sätze der Denklchre (elegantia).
30) Gibbon III. Cap. am Ende.

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