Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

252 Ueber den gegenwärtigen Zustand des Criminalrechts re.
prudcnz der publica judicia und des Cenfors war auf das
üupcriuin publicum gebaut/ die erstre sogar auf den Buch-
staben des Gesetzes alö Instruction der quaestione« gebracht.
Nicht ohne Grund sprechen daher die Römer nur bei der
jurisdictio und bei den judicii« privati« von dem Gegen-
sätze des.juris civilis et gentium, der ja auch als Quelle
für magistratus, wie Alles bei den Römern praktisch und
nicht bloö wie bei uns mehr wissenschaftlich war. Allein
spater, wo die Wissenschaft das Gebäude des Rechts mit
Ausnahme desjenigen, was sich auf die StaatSverfassung
bezog, zusammenhielt/ wurde eS anders, namentlich wurde
das Strafrecht wie das Civilrecht prozessualisch und in den
Schriften der Gelehrten behandelt, und auch jener Gegen-
satz gelegentlich aber nicht in voller Ausbildung darauf ange-
wendet ”). Der angegebene Unterschied ist, wie selbst
Fauerbach") anerkennt, brauchbar in der Lehre von der
Uvkenntniß des Rechts, die ja gerade in das Volksgefühl
zurückgeführt werden muß 27); aber er ist noch wichtiger,
wenn man eiusieht, daß die Staatsgesetzgebung allerdings
Veränderungen vornehmen kann, aber, wo sie dies nicht ge-
than hat, auf die ursprüngliche Quelle zurückweist. Unsere
Lehre ist im Grunde auch die immer herrschende gewesen.
AlS man nämlich früherhin ein natürliches und ein bürger-
liches Strafrecht unterschied, so hat man zwar Allerlei nach
den verschiedenen Vorstellungen über Raturstand und Ent-
stehung der Staaten gefabelt, und das natürliche Strafrecht
wohl auch außerdem Staate gefunden: allein praktisch ging
die Ansicht doch immer dahin, daß nicht blos das Staats-
gebot die Verbrechen schaffe, sondern unabhängig von solchen
Satzungen der Begriff von Unrecht und Strafe gegeben sey.
Nach unserer Ansicht ist auch die Grundlage der Zurechnung
keine andere als die ethische Freiheit des Individui, wobei
eS wieder gleichgültig ist, wie man sie begründen will, und

25) Dirklen im Rhein. Mus. I. Jahrg. Nr. \.
26) Lehrbuch §. 86. Note a.
27) Wieviele unrichtige Ansichten sind hier vorgekommen in den
Verhandlungen der Stände über den hannöver'schen Ent-
wurf:

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer