Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Uebek den gegenwärtigen Instand des CriminalrechtS re. EiW
»6 b. Hier ist bekannt, daß die Feuerbach'sche Theo-
rie, welche überall abgeschlossen ist durch Begriffe, dadurch
helfen wollte, daß sie annimmt, es müsse bei dem Verbre-
chen immer eine bestimmte Rechtsverletzung da seyn,
wobei aber diese Theorie mit dem positiven Rechte zuerst
bricht, und in welcher Beziehung auch schon andere, beson-
ders in der neuesten Zeit Birnbaum das rationalistische
Lehrbuch gehörig widerlegt haben. Run behaupten wir,
daß keine Verbrechensgattung bestehe, welche nicht einiger-
maßen so fein ausläuft, daß das positive Recht die äußersten
Endpunkte dem inneren Richter des Gewissens überlasse»
muß. So kann in Beziehung auf Staatsverbrechen allerlei
Staatsgefährliches Vorkommen, was mau nicht sobald alS
Verbrechen ansehen darf — denn der Begriff eines un-
treuen Benehmens ist groß. Nicht alle Irreligiositäts-
äußerungen und Excesse des fleischlichen Trieb-
können der bürgerlichen Strafe unterworfen werden ai)>
Selbst bei den Tödtungen, weil man hier die culpa mit
hereinzieht, wird man nicht mit BegriffSftrenge verfahre»
können — das Capitel der Beschädigungen grenzt noch dazu
an das Civilrecht — kleine Diebstähle verweist man immer
zur bloßen Rüge — und die Grenze der drei großen allge-
meinen Categorieen, Injurien, Gewaltthaten, Betrügereien
ist bekanntlich in Hinsicht auf Strafbarkeit höchst unsicher.
Es ist das Räthsel der Gesetzgebung, den besonder« Theil
des Strafrechts würdig zu bilden, zumal die Wissenschaft
hier noch unendlich viel vorzuarbeiten hat. In allen dirsen
Beziehungen wird man, weil das Recht auf andre Art in
solchen zufälligen Grenzbestimmungen, wo es sogar auf
Quantitäten ankommt, nicht sicher genug festgeftellr werden
kann, am besten durch Gesetze helfen, und so sind wir keines,
wegs den Gesetzgebungs-Bestrebungen unserer Zeit abhold,
aber hüten wolle» wir uns, in ein System zu fallen, was

21) ES ist vier interessant den Mann deS UebergangS aus dem
Mittelalter in die neue Zeit, Clams, zu lesen, um zu sehen,
wieviele Ausnahmen man von i-er Bestrafung des stupri
machte, z. B- eS ist kein strafbares stuprum, wenn man mit
der ancilla zu thün hat, von Seite des Mädchens kein Ver-
gehen, wenn sie bereits 25 Hahre all geworden ist a. f. w.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer