Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

lieber -ett gegenwärtigen Zustand des CriminalrechtS re. AS
nalrechte als philosophisches System nicht besonders einge«
impft zu werden braucht *)* Der Verfasser dieser Abhand-
lung schwört zu dieser Fahne, aber eS bedarf deshalb keiner
eigenen philosophischen Weihe, keines eigenen philosophischen
Kleides, keiner eigenen philosophischen Sprache'): und
seine Wissenschaft erkennt die christlichen Vorstellungen alS
Grundlage des öffentlichen Strafrechts in jener Einfachheit,
in welcher auch Thibaut'") die christliche Moral alS
Grundlage unseres Civilrechts einführt. In der Thar ruht
die rohe Gerechtigkeitstheorie deS alten Testaments und die
verfeinerte der neueren Philosophie auch auf keiner andern
Grundlage: nur muß man nie vergessen, daß die Staats-
rcgfamkeit unter menschlicher Einwirkung steht, und selbst
nach der Lehre des Christcnthums dem Kreisläufe verschie-
denartiger menschlicher Ansichten und Einrichtungen folgen
muß. Zwar scheint die Philosophie, von welcher wir reden,
nur für das Individuum Freiheit anzunehmen, und in der
Geschichte Nothwendigkeit zu finden, nämlich die Beherr-
schung durch die göttliche Persönlichkeit; allein das Indi-
viduum hat seine Bedeutung auch für das Ganze also in der
Geschichte der Völker und Staaten, und insoferne hat die-
selbe immer auch ein menschliches Element, der göttlichen
Führung unbeschadet, und dadurch erklärt sich die Mannis
faltigkeit der politischen Grundsätze, das Verhältniß der
schlechten und guten, die Wirksamkeit der Tugend und der
Fehler im Rechte so wie in der Nationalität.
ü.
Nach unserem Dafürhalten besteht die Einleitung in daS
Strafrecht theilS in der Anwendung der allgemeinen Grund-

8) Mein Lehrbuch des CriminalrechtS §. 101.
9) Jedes philosophische System oder besser feine Apostel habe»
etwas Hochmütbtges, wenn die Individuen auch wirklich
christlich tzemülhig sind. Go ist jüngst behauptet worden,
im Criminalrechte sey noch gar nichts geschehen. Dies ist
dann eben so, wie wenn der Verfertiger eines republicani-
fchen Gesetzbuches vor ganz kurzer Zeit behauptet hat, alle
Bestrebungen für die philosophischen Theorieen d«S CkimL-
«alrechtS feyen im Ganzen zwecklos und Unfittn.
10) §. li. seines Pandeetenlehrbuchs 8te Ausg.

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