Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

tS2 Uebek den Geist -eS deutschen Criminalprozesses rc.
durch eine neue Gesetzgebung auS dem Reiche der juristischen
Wesen auszuftreichen seyn-

8. 31.
Von der Mr'indlickkeit und Dessen tlichkeit.
So zuletzt und nebenbei kommen wir auf jene Zauber-
worte, die als Titel gelehrter Abhandlungen so gesucht, als
Schlagworte und als Partheikennzeichen der ZeitungSschrei-
der so gefeiert, als Signal einer besseren Zeit sowohl vom
Gläubigen als Denkstolzen angesehen worden sind. Vorerst
ist wohl zu bemerken, daß die Vieldeutigkeit des Ausdrucks
in Beziehung auf den Prozeß manches Mißverftändniß vcr-
anlaßt hat. denn
a) kein Kenner der Sache wird die Schriftlichkeit, d. h.
die Aufzeichnung der Verhandlungen verbannen wollen Sie
ist mit Recht als der erste Schritt für die Ausbildung der
Gerichte in Deutschland angesehen worden, sse ist die beste
Controlle der Willkühr, wenn die gehörigen Formen einge-
hakten werden, sie besteht in Frankreich, und die Engländer
erkennen sie als eine weise Einrichtung des Continents. So
gewiß der Kaufmann seine Bücher, der Gewerbömann die
Schriftlichkeit und jeder gute Hausvater nur Ordnung hat,
wenn er Alles gehörig notirt, so gewiß ist die Schriftlichkeit
im öffentlichen und namentlich im Gerichtöleben unentbehr-
lich. Was will man also mit der Mündlichkeit der Schrift-
lichkeit gegenüber? Nichts anders als den persönlichen Ver-
kehr des entscheidenden Richters mit den Personen, die in
der Prozeßinftkuction Vorkommen, vor der Entscheidung.
Diese Mündlichkeit, die als Form noch in der Carolina
gewissermaßen besteht, ist freilich in dem deutschen Crimi-
salprozeß abgekommen und cs sind Viele des Dafürhaltens,
daß dadurch nichts schlimmer geworden sey, weil die Schrift-
lichkeit eben dadurch um so besser ausgebildet, und durch
Einhalten eines gemessenen Ganges bei derselben ein treues
Bild der Personen und Sachen hergeftellt, sofort durch die
ruhige, wiederhohlte Anschauung dieses Bildes dem enk
scheidenden Richter die sicherste Unterlage seines UrtheilS
auf rein verständiger Erwägung verschafft worden sey. Ihm
ist auch fretgelassen, nachträgliche Vernehmungen des Ange-

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