Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

Heber de» Geist des deutschen CriminalprozesseS re. SOS
aus, daß, wo confessio in jure ist, es keines judex be-
darf, im Geiste des ordo judicii privati: und nur etwa-
scheinbar Aehnliches, eigentlich aber durchaus Verschiedene-
ist die Meinung der Carolina, daß, wo ein Geständniß vor-
liege, es keiner Beweisung bedürfe, denn im Sinne der Ca-
rolina hat das Wort Beweisung oder probatio einen doppel-
ten Sinn, den allgemeinen, wo auch das Geständniß hinge-
hört, und den engeren, wo das Ueberführen, Nachweisen
durch Mittel außer dem Angeschuldigten dem Gestehen ent-
gegengesetzt ist. Bei diesem Gegensätze tritt dann das Gc-
ftändniß als das allgemeinste, natürlichste und primäre Be-
weismittel hervor, und daher heißt es regina probationi».
In dieser Richtung erscheint dann auch daS Geständniß als
das reinste Beweismittel, es ist die geistige Reconstruc-
tion der That durch den Thäter, und die gleichsam sinnliche
Auffassung des Richters, wohl nicht der That selbst, aber
doch des auctoris facti. Ebendeshalb hat man auch ver-
langt, daß das Geständniß, wenn es beweisend seyn solle,
vor dem Richter abgelegt sey, und hat in dem außerge-
richtlichen Geständnisse keinen vollständigen Beweis gefunden.
Also nicht sowohl darin, daß man ein außergerichtliches Ge-
ftändniß nicht für so ernstlich hält, denn auch ein gericht-
liches kann simulirt seyn und die Ernstlichkeit des Geständ-
nisses muß in dem einen und anderen Falle anders als durch
den bloßen Umstand des Geftehens bewiesen werden, alS viel-
mehr in dem Punkte, daß dem Richter der sinnliche Ein-
druck widerfahre, finden wir die Natur des Geständnisses
als deutsches Criminalbeweismittel. Dies stimmt dann sehr
gut mit den Schöppengerichten, mit dem früheren mündlichen
Verfahren, und mit der Ansicht überein, daß die Richter
unmittelbar das Selbftzeugniß des Thäters vernom-
men haben. Es ist hier nichts mehr zu schließen übrig, daS
factum liegt nackt vor. Hätte man im Geiste jener Gerichte
und ihres Verfahrens dem außergerichtlichen Geständnisse
beweisende Bedeutung beilegen wollen, so hätten die Richter
den Werth desselben besonders untersuchen müssen; nun aber
scheint man angenommen zu haben, daß das Geständniß im
Gerichte keine weitere Erwägung nöthig mache, und erst eine
feinere BeweiStheorie der späteren Zeit ist hier weiter gegan-

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