Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

1S4 Neber den Geist des deutschen CriminalprozesseS rc.
fes aufgeben, wie ja besonders die Arbeiten in der neuen
(amerikanischen) Welt über die evidenee beweisen also selbst
da, wo Geschwornengerichte sind, und wie nicht minder die Be-
strebungen darthun, in der alten Welt, die dahin gehen,
- den Jndicienbeweis oder die gewöhnlich logische Theorie zur
Quadratur der juristischen zu erheben. Wo aber solche
Versuche ftattsinden, da ist etwas an der Sache selbst, und
wir können die Möglichkeit einer juristischen, wenn auch un-
vollkommenen Beweistheorie und ebenso deren Unentbehrlich-
keit ohne weitere Ausführung als dargethan betrachten. Das
Nähere muß noch aus den Vorschlägen hervorgehen, die wir
selbst zur Verbesserung des juristischen Bcweissystemes machen
werden
ad 2. Diejenigen, welche nur einen einzigen Weg des
Beweises zulassen, den Jndicienbeweis, und welche folglich
die Aussage zweier Zeugen nur als Indicium ansehen, ha-
ben allerdings Recht, wenn sie die Möglichkeit eines juristi-
schen Beweises gänzlich läugnen, und daher das „für Wahr
halten" einer Anzahl ehrlicher Leute als den einzigen Weg
einer überzeugenden Auctorität für den Richter ansehen.
Aber schon das wiederspricht dieser Meinung, daß zwei
tüchtige Mänyer, welche Augenzeugen der That sind, mehr
wiegen werden, wie zwölf ebenso ehrbare Männer, die nur
eonjecturiren. Indem wir daher diesen Standpunkt nicht
weiter verfolgen, ist nur noch zu untersuchen, ob das In-
stitut der Geschwornen nicht statt der einzelnen und unzu-
reichenden Beweismittel als allgemeines Surrogat betrachtet
werden könne. Höchst interessant sind hierfür gewisse Argu-
mente der Vertheidiger der Geschwornengerichte, nämlich:
a) der Zeugenbeweis sey wohl anzuerkennen, aber in
den wenigsten Fällen möglich, auch sey am Ende die Aus-
sage der Zeugen noch zu controlliren;
b) der Jndicienbeweis aber sey ein Unding, wenn er
nicht rein in die Ueberzeugung unbefangener Männer nach
der Natur des einzelnen Falles gestellt werde.
Diesen Ansichten ist nichts entgegenzusetzen, außer das
Eine, daß uns die Ueberzeugung der Geschwornen kerne
hinreichende Garantie für die Wahrheit des Ereignisses ist:
noch mehr, daß uns die Ueberzeugung stehender rcchtsge-

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