Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

190 Ueber den Geist des deutschen CriminalprozesseS rc.
ständigen mehr oder weniger statt, der Richter hat nicht
nur die Pfiicht, die Geschwornen auf die Grundsätze deS
Beweises aufmerksam zu machen, sondern er kann auch,
wenn die Geschworenen offenbar dagegen gehandelt haben,
ihrem Spruche Einhalt lhun- Abgesehn von dieser Unter-
scheidung, die die Vertheidigcr der Gcschworneugerichte qe-
fiissentlich übergehen, setzen sie aus dem technischen Stand-
punkte im Gegensätze des politischen Al.eS darein; die Be-
weistheorie scy nur ein Resultat der gewöhnlichen Logik,
und es gehörten keineswegs besondere juristische Erfahrungen
und die Kcnntniß der Geschichte des Rechts zu ihrer An-
wendung. Vielmehr sen e6 unheimlich, wenn man in Hin-
stcht auf den Beweis den Gerichtspräjudicicn folge, die nicht
selten Irrlichter seuen, da jeder Fall im Punkte des Be-
weises seine unabhängige Eigentbiimlichkeit darbiete. Nur
der Geschworne sen frei von solchen verführerischen Ver-
gleichungen: in ihm trete der gesunde Verstand und seine
Tochter, die praktische Logik, in voller Kraft hervor, und
endlich sey ja der Geschworne auch den Darstellungen der
Juristen, des Anklägers und VertheidigcrS nicht unzugäng-
lich. Dabei bedürfe cö dann nicht der unnützen Bestrebung
nach Beweisregeln; die juristische Beweistbeorie verliere
entweder alle Bedeutung, oder könne eine solche nur inso-
ferne behalten, als sie den Ansichten der gewöhnlichen Logik
und folglich der Ueberzeugung der Geschwornen nicht wider-
spreche; und hier fcv sic dann ungefährlich. Es sen un-
wahr, in der Uebereinstimmung der Ansichten der Geschwor-
ucn etwas Fatallstisches oder blos Formales zu finden: eS
fey der wahre Rationalismus, der hier hervortrete, und
die Ueberzeugung sen Folge der Prüfung materieller Ver-
hältnisse. Wo Regeln nicht volle Garantie geben könnten,
da sen die Abhängigkeit von Regeln Despotismus, und führe
zu Vorurtheilen- Die fortschreitende allgemeine Bildung
entspreche ganz dem Institute der Geschwornen; und die
Jurisprudenz, soferne sie nicht auf Geschichte beruhe, son-
dern der Anwendung und Gegenwart angehöre, müsse ein
Gemeingut des Volkes senn. Die bisherige juristische Theo-
rie deö Beweises sey anerkannt schlecht; alle Mittel der Ver-
besserung seyen ohne Erfolg, weil es am Principe fehle-

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