Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

186 lieber den Geist des deutschen CriminalprozesseS re.
lung gethan? Nur der analysirende Beurtheiler des Ganzen
könnte hier etwas trennen/ keineswegs aber sind mehrere
Beweissätze und darnach verschiedene Beweismittel zulässig.
2) Die Beweismittel in der deutschen Theorie sind zur
Definitivaburtheilung Geständnißund Zeugen. Zu einer
interlocutorischen Sentenz führen schon Argumente/ Ju-
dicien. Diese können auch zureichen/ wenn das BewuS-
thema zu trennen ist/ für den Punkt des äußeren Thatbe-
standes und der Bestimmung der inneren Schuld/ voraus-
gesetzt/ daß der Thäter als Thätcr überwiesen ist.
3) Sind in Hinsicht auf den Thäter nur Judicien
da/ oder sind, wo Thatbestand und Zurechnung nicht zu
trennen ist, nur Argumente da / so konnte dies nach der
Carolina zum Zwischenurtheile auf die Tortur führen; bei
uns zum Reinigungs-Eid/ wo er herkömmlich und anzu-
wenden ist , oder zur Entbindung von der Instanz. Um das
Geständniß zu erlangen, bleibt also nur in einigen Fällen,
nicht überall, die Territion mit dem Reimgungs-Eld — und
die Geschicklichkeit des Inquirenten übrrg, welcher dabei
freilich von einer Menge zufälliger Umstände abhängt. Daß
das System hiernach günstig dem Verbrecher, ungünstig für
den Triumph der Gerechtigkeit ist, kann nicht geläugnct
werden.
4) Aber das System ist auch bis auf unsere Tage im-
mer unbeholfener und der-Ordnung nachtheiliger geworden,
indem
a) der Augeschuldigte durch die humane Behandlung
sicher gemacht wohl weiß. Laß er nur fest im Läugnen zu
beharren braucht,
b) indem andrerseits der Richter selten Zeit, Geschick
und Eifer hat, durch ein eigenes Studium der Individua-
lität und des Lebens des Angesckuldlgten den Zugang in
sein Inneres zu finden, so daß dreser gleichsam überrascht
durch daö Bild feines SeelcnzustandeS, welches ihm vorge-
halten wird, zur Anerkennung und zum Geständniß sich ge-
nöthigt fühlt/
o) indem die Verfchmiztheit und Verdorbenheit
der Menschen sichtbar zugenommen hat/

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