Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Heber den Geist des deutschen CriminalprozeffeS re. 177
Verstände zutrauen. Endlich kömmt die Frage, ob eS die
Wissenschaft nicht weiter bringen könne, und hier kann na-
türlich die Entscheidung allein von Versuchen abhängen.
Versuche hat man nun gemacht, so lange eine Rechtswissen-
schaft besteht, und immer hat man sich zugeftanden, daß man
dem Ziele näher gekommen sey; jetzt auf einmal will man
den alten Weg verlassen. Es ist aber auf dem neuen Wege
Nichts leichter, alö den Beweis in ein rein formelles
Verhältniß zu setzen, z. B. wenn 12 Männer einstimmig deS
Glaubens sind, wo man denn aber eben so gut sagen könnte,
wenn es 6, wenn eS 3 sind, wenn unter 12, unter 6, unter
3 für die eine und andere Meinung die Mehrheit sich gebil-
det hat u. f. w., wenn der Gesetzverständige oder Rechts-
gelehrte der Majorität beitritt u. s. w. Wenn man freilich
-er Wahrheit nicht so weit nahe kommen kann, um Bürgen
dafür zu stellen, da ist das Zurückführen der Sache auf das
formelle Prineip der Versicherung Vieler: es sey etwas
wahr, das einzig Anwendbare: wenn man aber die Wahr-
heit durch äußere, d. h. nicht in unsrer Subjektivität lie-
gende Gründe zu verbürgen vermag, und diese Gründe zu
abstrakten Regeln erhoben werden können, wird man dieser
Methode ebenso nachgehen müssen, als der Mathematiker,
welcher seine Größe nur annähernd bestimmen kann. Aber
wo sind diese äußeren Wege und Bürgen der Wahrheit?
Hier muß man sich erst verständigen über dasjenige, wofür
man Bürgen der Wahrheit sucht. Und dies führt uns in
die Untersuchung von der Natur der Verbrechen in ihrer
äußeren Erscheinung.
tz. 13.
Es gibt zwei Hauptgattungen von Verbrechen:
I. solche, die äußerlich so hervortreten, daß man die
Wirkungen derselben sinnlich wahrnehmen kann,
II. solche, die in einer bestimmten verbrecherischen Ge-
sinnung sich äußern. Zu den Verbrechen dieser Gattung ge-
hören auch zum Th eile") diejenigen, welche als Versuche
der Verbrechen der ersten Gattung strafbar sind.
34) Der Versuch kann selbst schon eine sinnlich wahrnehmbare
Wirkung mit sich führen.
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. H. Heft 2.

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