Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

176 lieber den Geist des deutschen CriminalprozesscS re.
Hauptstandpunkte des Untersuchungsprozesses das hergebrachte
Recht aufzugeben/ weshalb ich mich auch bei dieser Sache
nicht länger aufzuhalten brauche.
§. 12-
Es gibt Verhältnisse/ in Beziehung auf welche nach
dem Gange der geschichtlichen Fortbildung des Rechts häu-
figer durch die Gewalt der Politik und der Vorurtheile Ver-
änderungen eingeführt werden/ als an der Hand ruhiger
Forschung und wissenschaftlicher Wahrheit Hier ist dann
die Macht und das Vorurkheil stärker als die Wahrheit/ aber
der Gelehrte ist doppelt aufgefodert, feine Meinung auSzu-
fprech.u und dadurch in das Rad der Gegenwart einzugrei-
fen / ob mit oder ohne Erfolg/ gleichviel/ denn eS geschieht
der Wahrheit und keines äußeren Zweckes wegen; das
Schweigen unter solchen Umständen wäre Psitchtvergessenbeit.
Diese Vorrede soll dasjenige rechtfertigen- was wir über
das Beweissystem in Strafsachen überhaupt/ und über die
Darstellung und Beibehaltung des bisherigen deutschen Be-
wcissystems weitläuftig ausführen wollen. Alle Ansichten
und Gründe derjenigen/ welche eine neue Ordnung der Dinge
wünschen/ fallen zusammen/ wenn sie anerkennen müssen/ daß
unser Beweiösvstem das einzig richtige/ und daher nur wei-
ter zu vervollkommnen/ aber nicht umzuwerfen ist.
Der juristische Beweis soll mehr seyn als ein subjectives
Glauben und Meinen/ selbst wenn noch so viele hierin ein-
ander die Hand reiche»/ muß aber seiner Natur nach weni-
ger seytt/ als absolute/ das ist mathematische und transcen-
Lcntale Gewißheit. Daß man mit dem Meinen und Glauben
nicht zufrieden senn könne- sieht der schlichteste ungebildeteste
Verstand ein; diese Ueberzeugung führte in alten Zeiten in
Len Fatalismus/ zur rohen Gewalt des Menschen im Kampfe
und zu Gotkesnrtheilen. Als man das Täuschende dieses
Weges erkannte/ kam man auf den Eid und auf die Con-
sacramentalen/ endlich auf den Ausspruch verständiger Män-
ner. Aber auch hier ist eine unsichere Auctorität für die
Bestärkung des Meinens und Glaubens/ einmal der Glau-
benseid der Conjuratoren- das andremal die Glaubens-
prüfung/ der Rationalismus solcher, die es sich und ihrem

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