Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Ueber den Geist des deutschen Criminalprozesses re. 173

den Gedanken der Jury-Einrichtungen aus der Nachbarschaft
aufgefaßt hätte/ denn abgesehen von dieser Verleitung hätte
man gewiß diesem Theile deS deutschen Criminalprozesses
Vorwürfe nicht machen können/ vorbehaltlich der Verbesserung
des Einzelnen im Geiste des feststehenden und eingewohnten
Principes.
8. 10.
II. Nicht leicht ist im neueren Cuminalprozesse eine
Lehre wichtiger/ als die Lehre vom Anfänge des Prozesses
mit der Richtung auf die Capmr. Die Basis der Prozeßer-
öffnung ist eine gesetzliche, entweder Anklage oder Amts-
beschluß. Wir wollen uns hier nicht darüber verbreiten, ob
die Anklage jetzt immer in eine Denunciation zu verwandeln
sey, auch nicht darüber, wann der Richter den Beschluß
auf Eröffnung eines Prozesses fassen, und was Polizeibehör-
den etwa vorher thun können, und worüber allerdings gute
nähere Bestimmungen zu wünschen sind, sondern wir wollen
darüber allein uns erklären, wie es mit der Verhängung
der Captur, wofür daS gemeine Recht keinen gesetzlichen
Anhaltpunkt hat, zu halten sey. Zwar wird man hier im-
merhin Manches dem a bitrio judicis überlassen müssen,
allein eS mag geschehen, daß der Richter hier möglichst durch
den Buchstaben des Gesetzes gebunden werde, zumal die Po-
lizeibehörde, einen Verdächtigen zu bewachen und unschädlich
zu machen, noch andere Mittel hat. Nur darauf müssen wir
bestehen, daß die Praxis erhalten werde, wo Jemand, der
an sich außer Captur gelassen werden könnte, wegen der Be-
sorgniß der Verwickelung der Untersuchung durch Colluston
verhaftet werden dürfe. Dabei setzen wir voraus, daß die
Gefangenhaltung im Hausarreste, namentlich durch Beige-
bung eines Gefangenwärters auf das Zimmer, unter Um-
ständen erlaubt fey. Hierbei schon müssen wir auf einen
Punkt kommen, welchen ein Vorurtheil unserer Zeit oft un-
weise behandelt hat Man hat die Derentionsanstalten im
Ganzen schlecht eingerichtet, am wenigsten aber nach den
Bedürfnissen der verschiedenen Gefangenen. Noch immer sind
wir der Meinung, daß selbst die Strafanstalten darnach ein-
gerichtet feyn müssen, und daß ein Mensch von Bildung und
Stand nicht unter rohe Menschen geworfen und mit gemeinen

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