Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Von der Solution der Obligationen. 15
etwas in Händen hat, was er nicht behalten darf. Bei der
Entwickelung der formulae actionum gewannen einzelne Ge-
schäfte, wie das depositum, commodatum ihre praktische
Stellung; wie die theoretische unter den sogenannten Real-
contrakten vor sich ging, wissen wir nicht, aber daö ist
wieder klar, daß unter dem Standpunkte der re obligatio
eine allgemeine Klage (praescriptis verbis) eingeführt
wurde, welche auch da gebraucht werden konnte, wo nach
dem neueren Contraktssusteme von einem contractus gar nicht
die Rede war, wie z. B. bei der donatio sub modo. Die
actio ex stipulatu und praescriptis verbis sind die zwei
allgemeinen Obligationenrechtönnttel des neuesten Rechts,
denen freilich viele einzelnen Klagen zur Seite stehen; allein
immerhin führen jene generellen Klagformen auf den Grund-
gedanken des alten Rechts zurück, die Obligationen entstehen
entweder auö einem förmlichen Geschäfte, oder re.
So konnte denn auch eine obligatio plurium ans einem
förmlichen Geschäfte oder re entstehen, wo dann die obli-
gatio im ersten Falle ganz allein aus den verbis, die jeder
einzelne gesprochen hatte, bemessen wurde, im andern Falle
aber nach den Umständen, welche die communis res und
dre muthmaßliche Intention der Partheien herbeiführte 9).
So ist dann kein Zweifel, daß mehrere Commodatare, Depo-
sitare, Bürgen, Vormünder ohne Stipulation in solidum
verbunden wurden, aber die Natur ihrer gemeinsamen Ver-
bindlichkeit muß bestimmt werden aus dem Grund und Zweck
der res, welche sie obligirt, und aus der besondern Inten-
tion der Partheien, die etwa ausgedrückt ist. Bei den Con-
sensualeomralten, wenn eine solidarische Obligatio Vorkom-
men sollte- entscheidet natürlich ganz allein die Intention
der Partheien. Doch es ist nicht der Zweck dieser Abhand-
lung, diesen Gegenstand speeiell weiter zu verfolgen.
8 4.
Was nun die Solution angeht, so unterscheidet man vor
Allem die solutio ipso jure und ope exceptionis. Man hat

9) Go z. V. die Haftung aus communis culpa im Gegensätze
der speeiellen Haftung des Einzelnen wegen seiner wirklich
privativen culpa.

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