Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Ueber den Geist deS deutschen CriminalprozesseS re. M7
§. r.
Geist des neuesten gemeinen CriminalprozesseS.
Mit den Zeiten Friedrichs II. und Josephs II. regte
sich ein neuer Geist in ganz Deutschland; ein Kampf ent-
stand deS Neuen mit dem Alten , durch welchen die Miß-
bräuche des Alten verschwinden, und das unreine Neuere
geläutert werden sollte. Dieser Kampf wurde immer hefti-
ger , und wird fortgekämpft. Aber unser Zweck ist nicht,
die Bestrebungen der Neuerer darzustellen, als vielmehr dm
Einfluß zu zeigen, welchen diese Erscheinung auf den deutschen
Criminalprozeß gehabt hat.
A. Ein edler Widerwille gegen das rohe Verfahren der
früheren Zeit, nicht bloS sichtbar durch Abschaffung der Tor-
tur, sondern durch die allseitige Bestrebung, den Jnquistten
menschlich zu behandeln, ist die erste Frucht deS Neuen.
Sorgfältig hat man darüber nachgedacht, wenn die Captur
zu verfügen, wie sie einzurichten, und wie die Gesundheit
des Jnquistten dabei in besonderen Betracht zu ziehen fey.
Die Gerichte haben darüber besondere Entschließungen zu
fassen, und je freier der Spielraum hier seyn wird,, desto
mehr wird die gute Absicht hier erreicht werden. Zwar
giot es Manche, welche, überall von Regierungen und Rich-
tern das Schlimmste denkend und fürchtend, buchstabene
Grenzen verlangen: allein sie mögen zufehen, ob sie dabei
nicht das Meiste verlieren; im Interesse der Regierung
braucht sich hier Niemand zu widersetzen. Der deutsche»
Praxis kann hier nichts vorgeworfen werden; namentlich
wird nirgends mehr der finanzielle Standpunkt über die Be-
handlung der Gefangenen entscheiden, und die Liberalität
des FiScuS in solchen Dingen ist eine zweite schöne Frucht
desselben Baumes. Daß nichts zu wünschen sey, wird nicht
behauptet, denn die Ausführung bleibt überall hinter der
Maxime zurück.
8 Am höchsten ist aber wohl anzuschlagen die Bestre-
bung, mit der Verhaftung des Jnquistten denselben durch
baldiges Verhör und durch möglichst schnelle Fortführung
der Sache den Martern des Gefängnißlebens zu entrücken,
und zu beweisen , daß der Gefangene im täglichen stäten Av-

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