Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

156 Ueber den Geist des deutschen CriminalprozesseS k.
weises, welcher -er erste Schritt auf dem Wege zum Bessern
im Beweise überhaupt ist, und der dann gethan wurde, als
man das Fatalistische im alten Beweissysteme am Lichte des
ersten Strahls der Aufklärung erkannte. Doch hiervon sei-
ner Zeit mehr. Dies ist der Geist des Criminalgerichts-
wesens der neuesten Zeit in Deutschland: Wenn die Formen
entsprechend und passend gewählt werden/ dürfte wenig zu
wünschen, am wenigsten zu behaupten seyn, daß nur in
gänzlicher Reformation der Dinge das Heil der deutschen
Welt zu erwarten sey.

4.
Vom Criminalprozesse.
Einleitung.
ES ist durchaus nicht mehr der Geist der Carolina,
welcher unfern Criminalprozeß bestimmt, wenn wir auch in
einzelnen Punkten immer auf sie zurückkommcn. Die Caro-
lina hatte den Zweck, den Uebergang aus dem Mittelalter
in die neuere Zeit zu vermitteln. Aber die erste Reihe der
Jahrhunderte in dieser neuen Zeit ist bereits abgelaufen,
und die zweite «eine« in Politik und politisch juristischer
Wissenschaft hat angefangen. Die Carolina ist die vorur-
rheilSfreie Hcroldin der Erfahrungen und praktischen Bildung
ihrer Zeit: man erkannte das Gute der römischen Bildung
ohne das priesterlich ceremonielle Anbeten des römischen
Rechts: man behielt gute deutsche Gewohnheiten bei, man
accommodirte sich in der Carolina den Ansichten des geist-
lichen Rechts, ohne das System des römischen und germa-
nisch weltlichen Rechts in den zweiten Rang nach der Ansicht
des früheren Mittelalters zu stellen. Hiernach sind die Haupt-
züge des Bildes folgende:
i) Die Carolina entscheidet sich weder für daS römische
noch für das canonische Princip in Hinsicht der Eröffnung
oder Täuschung/ wenn man, um diese neue Idee zu be-
gründen/ immer darauf verwies'/ sie sey durch Willkühr
und Misbrauch auS dem Leben verschwunden und daher nur
wieder einzufübren. Damit soll über die Bedeutung dieser
Idee und über daS Naturgemäße ihrer Erscheinung in der
neueren Geschichte keineswegs abgesprochen seyn.

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