Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

154 lieber den Geist des deutschen CriminalprozesseS re.
Andererseits hatte diese Trennung wohl auch manches Gute:
das Collegium der entscheidenden ^Richter konnte unparthei-
lich auf das ganze Untersuchungsgeschäft Hinsehen, was nicht
in demselben Grade ein Assisengericht kann, vor welchem
der Prozeß durch seinen Präsidenten neu formirt wird; die
Erfahrungen des entscheidenden Gerichts wußten über manche
räthselhaften Individualitäten sich hinwegzuhelfen — wahre
Mängel und Zweifel konnten durch Ersetzungen gehoben
werden, und endlich läßt sich nicht läugncn, daß in diesem
Systeme der Verstand freier ist von allen Eindrücken der
Gefühle und der Verführung. Endlich
4) aber ist besonders in der neuesten Zeit in der Be-
stellung, Einrichtung und Instruction der Gerichte vieles
sehr Löbliche vorgenommen worden.
a) Der Untersuchungsrichter soll seine Acten mit größ-
ter Aufmerksamkeit behandeln, damit weder Verdacht der
Fälschung, noch der Uebereilung und des Jrrthums entstehe,
und Nichts davon verloren gehe, namentlich sollten der Jn-
quisit und alle bei gerichtlichen Handlungen Betheiligten
durch Uuterschrifr nach geschehener Verlesung einen beglau-
bigenden Einfluß ausüben, endlich soll der Richter selbst we-
nigstens durch den Actuar controllirt semr. Hier ist freilich
wieder in der wirklichen Erscheinung mancher Mißbrauch
sichtbar: der Actuar ist oft nicht fähig, oder sonst nicht im
Stande die Controlle vorzunehmen. Dies hat dann den
nachtheiligsten Einfluß sogar auf das Untersuchungs-Interesse,
indem Fragen und Antworten in die Dickirmaschine mecha-
nisch müssen versetzt werden, wodurch Niemand mehr gewinnt
als der Inquisit. Dies ist denn in der Praxis so weit ge-
trieben worden, daß die Inquisitcn verlangten, die Frage
müsse erst dictirt seyn, biS sie zu antworten verbunden wä-
ren, und sofcrue der Richter dem schlauen Jnquisiten nicht
nachgab, einen NichtigkeitSgrund darin fetzten. Allerdings
ist es richtig, daß die Fragen nicht willkührlich nach der Ver-
nehmung den Acten beigeschrieben werden können, denn eine
Antwort kann einen ganz andern Sinn darbieten, wenn die
Frage erst hintendrein formirt wird; allein wenn die Frage
sonst schon niedergeschrieben war, z. B. in einem Entwürfe,
welchen sich der Richter gemacht hat, so ist kein Zweifel,

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