Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

152 Ueber den Geist des deutschen CriminalprozesseS re.
Schöppcnstühle und Juristenfacultäten devolvirt wurde. Die
Oberhöfe und judices extranei bieten schon in ihrer Orga-
nisation und in den Rechten ihrer Mitglieder/ sowie in dem
eifersüchtigen Streben um allgemeine Anerkennung der Ge-
richtsunpartheilichkeit, besonders der Regierungsgewalt ge-
genüber'^)/ eine große Sicherheit für Wahrheit und mann-
hafte Vollziehung der Gerechtigkeitspflege dar: und eine der
besten Bürgschaften einer Regierung/ welche Gerechtigkeit
will (und bei einer anders gesinnten Negierung sind alle
Maasregeln, auch Geschwornengerichte vergebens)/ sind in
diesem Systeme tüchtige und ehrenfeste Vorsteher der Ge-
richte/ welche durch Actcnvertheilung und durch andern wohl-
thätigen Einfluß die wahre Seele der guten Sache sind.
Denn die wissenschaftliche Kenntniß und die lange Geschäfts-
Erfahrung/ mit der daraus immerhin resultirenden Men-
schenkenntniß, sind die besten Garantien für eine gute Ge-
rechtigkeitspflege/ und der beste Wille kann diese erste Vor-
aussetzung nicht ersetzen. Auf den Grundsätzen der wissen-
schaftlichen Kenntniß und praktischen Erfahrung, der unab-
hängigen ehrenwerthen Stellung der Person, der allgemeinen
Stimme für die Rechtlichkeit des KarakterS, und des natür-
lichen Interesses für den guten Namen, dem Volke und der
Regierung gegenüber, ist dieses deutsche Gerichtssystem der
«eueren Zeit aufgerichtet, und hat daher in der That keine
morschen Grundlagen. Auch das ist nicht gering anzuschla-
gen, daß nicht, wie bei den Geschwornen, das Richtergeschäft
als ein vorübergehendes Geschäft erscheint, wo cs sehr na-
türlich ist, daß der Richter sich ein für allemal gut aus der
Schlinge zu ziehen sucht, sondern daß eS das Leben deS
Menschen füllt, der, wenn er unter gewissen äußeren Erschei-
nungen verkannt wird, gewiß am Ende als ehrenhafter Mann
besteht und im Tröste dieser Wahrheit keineswegs vom Au-
genblicke sich wird bestimmen lassen, denn die Launen der
Völker vergehen wie die Launen einzelner Menschen.
So kam es
3) daß der Unterschied und die Geschäftstrennung des

12) Diesen Standpunkt kann auch heutzutage eine weise Re-
gierung schwerlich unanerkannt lassen.

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