Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

Von der Solution der Obligationen. 13
begründet wird. So geschah es, daß eine große Masse auf
das materielle Recht sich beziehender Sätze durch die bloS
formelle Rücksicht begründet oder verworfen wurden, und
daher ist unser Vertragsrecht ein durchaus anderes, als das
römische. Daher ist nicht einmal das römische Vertragsrecht
auf einem und demselben Princip aufgerichtet, sondern die
Consensual-, Realverträge und die pacta folgen ganz andern
Grundsätzen, wie in der neuesten Zeit auch wieder kenntlich
geworden ist durch die Schrift von Ribbentrop über Cor-
realobligationen, worauf wir noch zurückkommen werden.
Die ganze Lehre de inutilibus stipulationibus kann nicht
als Grundlage allgemeiner VertragS?'ätze, die auch auf die
Confensualverträge anwendbar wären, betrachtet werden,
sondern man muß unterscheiden, waS lediglich aus der Form
heraus entwickelt ist, und besonders als strictum jus sich
darstellt, und dasjenige, was auf dem allgemeinen Begriffe
der conventio ruht. Man kann zwar nicht läugnen, daß
die verborum obligatio schon unter Justinian ihre alte
Bedeutung nicht mehr hatte , indem man neben derselben die
Seriptur, wie z. B. bei dem emphytheutischen Contraet,
oder die Zeugen, wie z. B. bei dem pactum donationi«
gebrauchte, und solche Geschäfte als gleich wirksam wie die
stipulatio aufstellte/(): allein das Wesen der Sache blieb,
wenn auch die alte Form der Stipulation selbst fganz ver-
schwunden, und nichts übrig war als eine ausdrückliche
Rede und Antwort4 5). Leider ist schon von römischen Ju-
risten selbst, namentlich von GajuS, der Stand der Dinge
dadurch verwirrt worden, daß man den Verbaleontraet neben
den benannten Realeontraeten und den Consensualeontraeten
als eine species aufgestellt hat, da doch sichtbar bei den
beiden letzten Arten der Inhalt der Verträge entscheidet,
während dort die gemeine Form des Vertrags bindet. Da-
her kömmt eö denn auch, daß alle Arten von Obligationen
durch die stipulatio, die deshalb auch cautio, Versicherung,
hieß, zu einem festen — stricti juris — negotio erhoben
werden konnten, und daß Aquilius GalluS darauf hin

4) Man vergl. auch §§. 13, i4. J. 3. 20.
5) §. 1. J. 3. 16. vrgl. auch §. 17. J. 3. 20.

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