Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

11. Ueber den Geist des deutschen Criminalprozesses, namentlich in dem Beweissysteme, mit Vorschlägen zur Vervollkommnung des Letzteren

Ueber den Geist des deutschen Crtmmalprozeffes,
namentlich in dem Beweissysteme, mit Vor-
schlägen zur Vervollkommnung des Letzteren.
Von Roß Hirt.

§. I-
Äer deutsche Criminalprozeß verdient eine besondere Beob-
achtung in unserer Zeit, wo . man so geneigt ist, durch Hin-
blick auf fremde Länder das Bessere zu suchen. Nicht wohl
sehen diese Länder auch auf uns zurück, sondern abgerechnet
einige Declamatione» über allgemeine europäische Bildung
verfolgen sie ruhig den Gang der Entwickelung ihres Rechts
auS ihrer Nationalität und Wissenschaft, und sollten nnS
hierin ein löbliches Vorbild seyn. Der französische Civil-
«nd Criminalprozeß ist im Ganzen auf der früheren franzö-
sischen Gerichts-Einrichtung und auf den dort angenommenen
Formen neu ausgebildet, der Criminalprozeß mit einer von
England herübergenommmen Institution; beide Prozesse sind
also keineswegs auS der als aufgeklärt gepriesenen neuen
Zeit hervorgegangen, und beide halten in vielen Punkten den
Vergleich mit der deutschen Theorie nicht aus. Der englische
Prozeß beruht auf so vielen eigenthümlichen unserem Volke
und unsrer Rechtswissenschaft fremden Grundlagen, daß noch
Niemand versucht war, nach englischem Muster Einrichtungen
machen zu wollen *)• Der Ruf unsrer Tage gehr und ging

1) Der Prozeß in England ist seiner Geschichte gemäs, daher
dem Volke und der Wissenschaft gleich natürlich und an-
gemessen. Deutschland aber hat eine andere Geschichte
durchlaufen, und kann so wenig auf Institute der Nor-
mannen, die eS nie gekannt bat, als auf die vielen barbarisch
lateinischen Ausdrücke zurückkommen, die in einer Zeit der
Unbeholfenheit in den englischen Prozeß ausgenommen find.
Noßhirt, Zeitschrift. Bd. H. Heft 2. 10

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