Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

186 Ucbcr den Zustand deS gemeinen deutschen Rechts

also wo der Widersetzlichkeit und der Aufforderung dazu die
Absicht der Nichtanerkennung der Negierung zu Grunde
liegt/ ist kein Aufruhr und Aufstand. Dies ist gerade so/
wie wenn man in Hinsicht auf den Mord an einen Ver-
wandten sagen wollte/ die Handlung sei/ da der Verletzte
ein Verwandter war/ und der Thäter nicht die Absicht
hatte/ überhaupt zu tobten/ sondern sogar einen Verwandten
zu tobten / kein einfacher Mord, sondern ein Verwandten-
mord. Gibt es Scrupel darüber/ oder tobtet derselbe aus
Irrihiim einen Andern als seinen Verwandten/ wer wird
zweifeln/ daß der Verletzer nach den Grundsätzen des ein-
fachen Mordes zu beurtheilen ist. Also/ wenn man Zweifel
hat/ ob Jemand in hochverratherischer Absicht gehandelt
hat/ aber "gewiß ist. daß er aufforderte zur Widersetzlichkeit
in einzelnen Verhältnissen/ wer wird zweifeln, daß
ein solcher nach den Gesetzen über Provocation zum Aufstand
beurthcilt werden müsse. Allein mancher Verbrecher wird
frei/ indem man so argumentirt/ Hochverrath ist seine
Handlung nicht (daS Wort im engern Sinne genommen),
Versuch zum Aufruhr ist sie wieder nicht , emeStheils, weil
man den unmittelbaren Erfolg seiner Handlung nicht ein
sehen konnte/ wie z. B. bei Reden und gedruckten Auffor-
derungen/ anderntheilS/ weil nicht Widersetzlichkeit gegen
eine bestimmte RegierungSanordnung als vielmehr
allgemeiner Widerwillen gegen die bestehende Ordnung
der Grund des Betragens ist. Nie würden wir diesen Wider-
willen strafen/ wenn lhn Jemand nicht auf Andere zu dem
Zwecke überträgt, um eines Tages Früchte von dem Saa
men zu ärndten/ den er aussäet: wo aber dieö gewiß ist , ist
auch das Verbrechen da. Das Wort „Aufruhr/" der römi-
schen und deutschen Bedeutung nach , ist vollkommen bezeich-
nend/ um das Verbrechen derjenigen zu charakterisiren, welche
dem bestehenden Staatswesen Wunden schlagen wollen, und
sind wir einmal daran, bildlich zu sprechen, so verhält sich
der Hochverräther zum Aufrührer, wie der Mörder zum
Derwunder, aber wenn wir in diesem Gleichnisse die Rich-
tung des Erfolgs besonders wirksam sehen, und annehmen
müssen, daß, wo die Absicht nicht klar erwiesen ist zu tobten,
die Absicht zu verwunden -och unzweifelhaft bleibt, wenn

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