Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

122 Ueber den Zustand des gemeinen deutschen Rechts'
zu erwarten? Die Richter müssen wegen HochverrathS oft
zu einigen Monaten Gefängniß verurtheilen/ fre müssen eine
Masse von Unterscheidungen machen, gewöhnlich nach dem
Verhältnisse der Mittel zu der daraus entstehenden Gefahr/
und eine Willkührlichkett reiht sich an die andere. Da-
gegen kann man darin auf das römische Hilfsrecht zurück-
gehen, daß jede staatsgefährliche in offenbar dem Bestehen
der Staatsordnung widerstrebender Absicht unternommene
Handlung als er.'inen de \i publica behandelt und bestraft
wird. Zwar haben die Römer ihr crimen majestati« so
gehalten, daß weniger bedeutende Unternehmungen gegen die
Verfassung dazu gezählt wurden, wie man schon daraus
sieht, daß auch Strafen der niedrigsten Art, z. B. relegatio,
deshalb ausgesprochen wurden: allein das Wort Hochoerrath
bezieht sich nicht sowohl auf den Verrath an den Staat
überhaupt, sondern drückt eine besonders gefährliche, gegen
das Haupt der Verfassung gerichtete Unternehmung aus.
Nur unter dieser Annahme haben wir auch jederzeit die in
der Praxis und früheren Doktrin allgemein angenommene
Ansicht vertheidigt, daß der Hochverrat!) ein Capitalver-
brechen sey, und aller Unterschied zwischen Versuch und
Vollendung, d. i. alle Rücksicht auf den Erfolg hinsichtlich
des Begriffs des Verbrechens wegfüllen müsse. Doch
es genüge diese Andeutung ').
d) Die meisten Schwierigkeiten in der Lehre vom Hoch,
verrath ergeben sich dadurch, daß man einzelne Handlungen
als Theiluahme am Hochoerraih, andere als Vorbereitungen
zum Hochverrath dargestellt har. Das Nichtanzeigen in der

3) Wenn man mich in Hinsicht auf meine Meinung über
Hochverrat!) ertiren will, so werde ich mißverstanden,
wenn man den weiten Begriff von Hochverrat!) zu
Grunde legt, denn dann wird man die Straflosigkeit der
Handlung leicht aus meiner Schrift deduciren tonnen:
weiß man aber, daß ich unter Hochverrath nur die
Spitze der politischen Verbrechen verstehe, und eine
Handlung nach meinem Systeme als staatSgesährlich mit
der Strafe der lex de vi publica belegt werden kann, so
gewinnt die Sache eine ganz andere Stellung. Daher ist
es mit den Citaten, ohne daß man die ganze Meinung
des Schriftstellers vor sich bat, eine sehr bedenkliche Sache.

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