Full text: Volume (Bd. 2 (1837))

112

Hebet das neue Erbgesetz

meine Bestimmungen" geschehen, und so sehr wir hier
mit Vielem übereinftimmen, z. B. mit der Abschaffung des
Satzes: Nemo pro parte testatus pro parte intestatus
decedit, und deö damit zusammenhängenden nothwendigcn
und nicht auf der Interpretation beruhenden Accrescenz-
rechts 4), so müssen wir doch auch Einiges tadeln: nämlich
vorzüglich den Begriff von „Erben" im §. 6. und die dar-
aus in §• 8. gezogene Folge, wornach der in re eerta ein-
gesetzte Erbe so angesehen wird, als wäre die res eerta
nur Prälegat5). Im Ganzen erscheint jener Begriff nur
als eine praesumtio und ist daher um so fehlerhafter.
In Hinstcht auf daS Einzelne des Jntestat- Erbrechtes
wollen wir im Kurzen dasjenige hervorheben, was von den
justinianischen Novellen abweicht, und mit eben so kurzen
Bemerkungen begleiten.
I. Vor Allem wäre es der Methode entsprechender ge-
wesen, das Erbrecht der Unehelichen kurz darzustellen, alS
im Einzelnen dasjenige auszuführen, wohin überall daS
Erbrecht der ehelich Gebornen gehe, um dadurch auf den
Gegensatz der Unehelichen schließen zu lassen. DaS Erbrecht
der Unehelichen hätte in ein Princip gefaßt werden können,
so daß es der Explication in einzelnen Fällen und der Dar-
stellung dieser Fälle in AbstammungStafeln nicht bedurft
hätte, was auch der Form eines Gesetzes nicht gut entspricht.
Im Uebrigen ist wo möglich die Gunst der ehelichen Ver-

4) Nach dem Stande des Weimarer Rechts wird man jetzt
sehr klug thun, bei Testamenten durch Substitutiones sich
vorzusehen, und diese Lehre gewinnt mit der Abschaffung
des Satzes nemo er«, eine ganz besondere Wichtigkeit.
Nur noch eine Ruine des Accrescenzrechtes findet sich ge-
wissermaßen in §. 144., wo, wenn Jemand auf einen
bestimmten Theil eingesetzt ist/ und keine Jntestaterben
darneben wären, der Eingesetzte Alles erhält; allein eS
ist hier nicht Aecrescenzrecht, sondern der FiscuS läßt
einen solchen in seine Stelle treten, was in
Hinsicht auf die Folgen wegen der auf diesen Tbeil lie-
genden Lasten nach der Ansicht des Weimarer Rechts von
FiScalsuccession von großer Bedeutung ist.
5) Wie viel natürlicher ist die justinianische consr. 13.
(6. n.)

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer