Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 2 (1837))

8 Zur Lehre von der Pupillarsubstitution.
oeplis liberare, non invitos ab hereditate removere:
praesertim quod remotis tabulis secundis legitimam
haberet fratris hereditatem. Itaque legata duntaxat ex
secundis tabulis praestari debent : habita ratione facul-
tatum in Falcidia non patris, ut alias solet, sed im-
puberis.
Es hängt hier die Erklärung der Stelle vom Sinne der
Worte heres extitit ab: Heißt dies a) der Bruder ist wirk-
lich des Vaters und des Bruders Erbe geworden (wäh-
rend letzter gestorben war, ohne zu abstiniren oder sich in
die väterliche Erbschaft zu immiSciren), so daß nun der ihm
succedirende Bruder, der für seinen Antheil der väterlichen
Erbschaft sich immiscirt hat, nur von dem vom Vater stam-
menden Antheil der brüderlichen Erbschaft sich lossagen, das
übrige brüderliche Vermögen aber behalten will?
Oder b) heißt heres extitit blo6: er ist suus heres
des Vaters, und Pupillarerbe des Bruders: und will nun
die letzte Erbschaft behalten, jene aber aufgcben?
Da dies letzte Papinian ihm zugefteht, so würde die
Stelle für unsre Frage beweisend seyn'): und es fragt sich
blos: ob sie strenges, d. h. aus Gründen deducirreö Recht,
oder eine bloße billigere Auslegung deö das beneficium ab-
stinendi ertheilenden prätorischen Edictes enthalte: also ein
nicht auszudehnendes jus singulare? Das letzte nehmen
viele Schriftsteller an. Allein das Gegentheil möchte dennoch
richtiger seyn: denn das justius facturum praetorem zeigt
an: daß Papinian das Verfahren der Aufgebung einer
-er beiden Erbschaften für consequenter hält. — Es sind
nämlich zwei Erbschaften vorhanden, zu welchen der Sub-
stitut berufen ist: die väterliche und die des Bruders:
der Prätor ertheilte ihm das jus abstinendi als eine
Gunst, von welcher er nach Belieben Gebrauch machen kann.
Sie kann keine ihm nachtheilige Folgen dahin haben: daß

7) Nämlich a fortiori: denn kann der Substitut das i»8 ab-
stinendi rücksichtlich der väterlichen Erbschaft auöüben:
und dennoch das Pupillarvermögen (welches vom Vater
nicht gekommen war) annehmen: so kann er eS um so
mehr, wenn durch eine vom Bruder vorgenommene Los«
fagung beide Erbschaften bereits getrennt waren.

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